Österreichischer Winter

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Ab und zu überträgt der ORF – möglicherweise als Teil seines Bildungsauftrages, wobei ich nicht sicher bin, was daran bildend sein sollte – Sitzungen aus dem Plenarsaal des Nationalrates. Entscheidungen werden diskutiert, Gesetzesentwürfe kritisiert, tagespolitische Geschäfte abgewickelt. Zum Beispiel Griechenland. Soll man oder soll man nicht, nämlich die Griechen vor der Staatspleite retten?

Wir hier in Österreich raunzen ja oft und gerne. Eben erst letztens über Griechenland. Warum wir so viel Geld in die „Pleite-Griechen“ investieren sollen, anstatt sie einfach über die Klinge springen zu lassen. Und wie auch im Sport gibt es in der Politik und der Wirtschaft immer wieder Leute, die „es besser können“. Die Griechenland in die Pleite schicken würden, obwohl das den gesamten Euroraum gefährden könnte.

Und dann gibt es wieder Leute, die finden, dass viel zu viel geredet wird, die lieber Handlungen sehen wollen. Immer wieder hört man ja, dass sich manche Österreicher lieber „einen starken Mann“ an der Spitze vorstellen könnten, der schneller entscheidet.

Ja, das hat sicher seine Vorteile. Einer der effektiv anschafft, wie‘s gemacht gehört, einer der schön reden kann, der sich auskennt. Einer, der Einigungen des Parlamentes erzwingen könnte, der Gesetze im Notfall auch alleine beschließen kann. Ohne viel Gequatsche, ganz so, wie sich ein paar Leute das vielleicht vorstellen.

Dann müsste man vielleicht das Parlament abschaffen, sich einen aussuchen, „der‘s kann“, einer, der sich auskennt. Einer, der flotte Sprüche draufhat. So ähnlich wie „Abendland in Christenhand.“ Oder so. Manche würden das ja gut finden.

Ob sie dann auch noch gut finden, dass sie jedes Recht auf freie Meinungsäußerung verlieren, ob sie gut finden, dass sie nichts mehr mitzureden haben, ist eine andere Frage. Ob sie dann mit allen Entscheidungen, die sie nicht mehr beeinflussen können, zufrieden sind? Aber ja, das wird schon alles gut gehen. Und man sieht ja auch, dass 21 Prozent der österreichischen Bevölkerung die Demokratie ja gar nicht brauchen, weil sie – aus welchen Gründen auch immer – nicht wählen gehen, nicht an der Demokratie partizipieren, nicht das Recht nutzen, mitzuentscheiden.

Also, wofür brauchen wir schon ein Parlament?

Was diese Menschen aber nicht bedacht haben, ist, dass in gar nicht so wenig Ländern dieser Erde die Menschen gegen solche „starken Männer“ aufgestanden sind, dass sie jetzt für Demokratie kämpfen und für ihr Mitspracherecht eintreten. Die Menschen der arabischen Welt, die jahre- und jahrzehntelange Unterdrückung erfahren haben, so wie sie sich manche der Menschen hier leichtsinnigerweise herbeiwünschen mögen. Der arabische Frühling. Diese Menschen wünschen sich Nichts mehr, den Diktator, der ihre Leute erschießen lässt, loszuwerden. Der über ihre Köpfe hinweg entscheidet und sie unterdrückt.

Vielleicht sollten wir einen Moment lang innehalten und das wirken lassen. Und uns dann fragen, ob wir den Nationalrat gegen so jemanden eintauschen wollen würden.

Sicher, manche Entscheidungen liegen uns vielleicht nicht besonders. Aber immerhin, wir haben die Chance, die Verantwortlichen abzustrafen. An der Urne. Uns geht es diesbezüglich gut, um nicht zu sagen ausgezeichnet. Wünschen wir uns wirklich so einen Gaddafi?

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