Wir, der Rosinenkuchen.

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Wir leben, denke ich, in merkwürdigen Zeiten. Sie kommen uns vielleicht nicht so vor, entweder aus dem Grund, dass sie gar nicht merkwürdig sind, oder aus dem anderen Grund, nämlich dem, dass wir schon so lange in verrückten Zeiten leben, dass wir gar nicht mehr wissen, was normal ist. Aber wirklich, was ist „normal“? Otto von Habsburg, zeitweise Persona non grata der österreichischen Innenpolitik, bekommt ein Staatsbegräbnis, das Parlament beschließt von gestern auf heute eine Änderung des Textes der Bundeshymne und ich trinke auf einmal Zitroneneistee. Und ich habe festgestellt, dass er mir immer noch nicht schmeckt. Aber was soll man machen, immerhin habe ich 6 Flaschen gekauft. Ärgerlich. Aber vielleicht braucht man sie irgendwann.

Nicht ärgerlich, vielmehr überraschend ist allerdings für mich, dass sich der österreichische Nationalrat erstaunlich schnell für eine Textänderung der Bundeshymne begeistern hat lassen. In unserem Land, in der alles seine gewisse Zeit braucht ist das ein politischer Erfolg von fast grenzenlosem Ausmaß. Ein Beispiel an politischer Integrität und dem Mut zur Veränderung. Ist nur die Frage, ob wir in Österreich nicht geringfügig andersgeartete Probleme haben, bevor wir uns Gedanken über eine Textänderung der Bundeshymne machen. Da wäre zum Beispiel der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen, um bei der Gleichberechtigungsfrage zu bleiben. Oder möglicherweise Finanzkrisen. Schuldenlasten im Euroraum. Mangelnde Wahlbeteiligung. Auch wenn heuer nicht gewählt wird – abgesehen vom Pfarrgemeinderat und von der ÖH. Aber wie dem auch sei, eine legitime Forderung, diese Anpassung. Bleibt nur der klitzekleine Kritikpunkt, warum nicht auch die Textzeile mit den „Brüderchören“ geändert wird.

Ich bin ja ein Fan der Gleichberechtigung. Frauenquoten? Von mir aus. Text der Bundeshymne? Kann ich sowieso nicht. Gleiche Bezahlung? Selbstverständlich. Bleibt nur eines. Wenn das alles erledigt ist. Die Einführung der Wehrpflicht für Frauen, als letzter Schritt der Gleichberechtigung und da muss ich sagen „ganz oder gar nicht“. Entweder wird die Wehrpflicht komplett abgeschafft, oder Frauen sollten sie auch verrichten müssen.  Und ganz ehrlich: Zivildienst ist nichts, was Frauen nicht auch machen könnten. Alles andere wäre inkonsequent. Und würde den Eindruck erwecken, dass sich manche Feministinnen nur die Rosinen aus dem Kuchen holen.

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