Oslos Konsequenzen

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Manchmal ist es wirklich nicht sehr leicht, Journalist zu sein. Nein, manchmal fällt es einem sogar sehr schwer. Mir persönlich geht es so bei den Terroranschlägen von Oslo. Mir geht einfach immer wieder die Frage nach dem Warum durch den Kopf, es blockiert, behindert mich dabei, etwas Konstruktives zu schreiben. Etwas, das nicht allzu pessimistisch oder deprimiert klingt. Doch angesichts der Tatsache, dass in Oslo und Utøya mehr als siebzig Menschen ihr Leben lassen mussten, wirkt der Versuch, so etwas zu schreiben, wie eine Farce.

Die Fragen, die mich beschäftigen, sind dieselben, die sich wohl alle anderen auch stellen. Warum hat er das bloß gemacht? Was muss in einem Gehirn vorgehen, das so etwas plant und ausführt? Was treibt diesen Menschen an? Nun ja, er hat es ja ins Internet gestellt, sein „Manifest“. Dieser Anders Breivik. An diesen Namen wird man sich wohl noch lange erinnern. Leider ist es vermutlich genau diese Art der Aufmerksamkeit, die er sich wohl erhofft hat, die er ja jetzt auch bekommt. Dieses Echo in den Medien, an dem wir uns alle beteiligen. Richtigerweise, denn so etwas darf nicht noch einmal geschehen. Doch wie kann man solch einen Wahnsinn vorhersehen? Im Prinzip gar nicht. Ein solcher Hass ist unberechenbar und unverständlich. Es ist schlicht unmöglich und infolgedessen gibt es einige Ansätze dazu. Zum Beispiel in Österreich reagieren zuständige Politiker mit dem Ruf nach mehr Kontrolle. Mehr Kontrolle des Einzelnen, mehr Kontrolle im Internet. Merkwürdig, dass in Norwegen da genau das Gegenteil gemacht wird. Mehr Freiheit, Offenheit, Demokratie. Das ist das Jens Stoltenbergs Motto.

Unglaublich, dass schon eine Woche seit den Anschlägen vergangen ist, man kann es kaum glauben. Und erste Maßnahmen wurden bereits ergriffen. Zum Beispiel vom Chef der FPÖ, wir alle kennen den Mann. Er hat Werner Königshofer, einen Mann, der sich laut Strache „parteischädigend“ verhalten habe, aus der Partei geworfen.

Weil er meint, dass die Fristenregelung mehr Opfer gefordert habe als diese Anschläge. Weil er meint, mit Neonazis befreundet sein zu müssen. Weil er meint, rassistische Aussagen tätigen zu müssen. Weil er diese Kommentare in der Öffentlichkeit gemacht hat. Hätte er mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten, wäre er wohl immer noch Mitglied der FPÖ. Das ist schlicht Schadensbegrenzung. Dass Werner Königshofer von seinen ehemaligen Kollegen keine Rückendeckung erhält, ist nicht verwunderlich, sondern wohl eher Parteilinie. Die Blauen können sich doch nicht zu ihm bekennen, da sie sonst weitere Fragen aufwerfen würden. Alles in allem wird es den Rechten Europas jetzt ganz schwer fallen, ihre Rolle bei diesen Verbrechen anders darzustellen, als sie war. Denn eine schlichte Wahrheit bleibt: Sie sind auf gewisse Weise mitverantwortlich. Und deswegen auch ziemlich unter Druck geraten. Rechtspopulistische Parteien sorgen in gewissen Fällen für ein gewalttätiges Klima, eine gewaltbereite Stimmung. Sie polemisieren und das hat wohl dazu beigetragen. Es wird ihnen sehr schwer fallen, sich da wieder herauszureden. Ja, sie sind von einer ganz unerwarteten und empfindlichen Seite getroffen worden. Man darf nun gespannt sein, was sich nun in der Politik tun wird.

Doch ganz gleich, was in der Politik nun passiert, ganz egal, ob und wer zurücktritt oder welche Maßnahmen ergriffen werden, eins bleibt, wird immer bleiben. Die Hinterbliebenen.

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