„Wir sind die neuen Juden“

Diese Website wird nicht mehr aktualisiert. Sie finden neue Beiträge unter https://rjspoetta.at.

Im Grunde genommen sind Politiker der FPÖ geschickte Menschen. Nein, du hast dich nicht verlesen. Ich finde, sie sind gar nicht so ungeschickt darin, ihre Gesinnung öffentlich zu machen, ihren Deutschnationalismus und Rassismus heraushängen zu lassen, ohne dabei dingfest gemacht werden zu können. Oft und oft auch ihre Bewunderung und Sympathie mit dem Nationalsozialismus. Es wäre absolut lächerlich, zu behaupten, dass die FPÖ nicht ganz weit im viel zitierten „rechten Eck“ des Parteienspektrums in Österreich steht. Warum? Man beachte die Einstellungen, die Gesinnungen, das Nationalistische, dass von dieser Partei hochgehalten wird, höher als Menschlichkeit. Der letzte Sager des Parteichefs Heinz-Christian „HC“ Strache zeigt wieder, wie sehr die FPÖ selbst versucht ihre braunen Wurzeln zu verleugnen. Sich selbst als „neue Juden“ zu bezeichnen und die Situation der Ballgäste mit den Novemberpogromen zu vergleichen, politisch inkorrekterweise von Strache „Reichskristallnacht“ genannt, zeugt nicht bloß von Dummheit. Es ist reine Idiotie, schon deshalb, weil er es gegenüber einem Journalisten gesagt hat. Diese Aussage ist durch und durch als idiotisch zu begreifen, doch sie zeigt ebenfalls, in welche Richtung die Mitglieder der FPÖ tendieren, in welche Richtung Strache tendiert, was die Gesinnung der Parteimitglieder ist. Sie scheint nicht bloß rechtskonservativ zu sein, wie immer gesagt wird, sie scheint braun befleckt.

Zu behaupten, „für Österreicher zu sein“ zieht nicht. Nicht mehr. Seit dem Zeitpunkt schon nicht mehr, als Haider zwei Zahlen gegenüberstellte: die Zahl der Arbeitslosen in Österreich und eine Zahl der Ausländer in Österreich. Überlassen war es dem Zuhörer, seine Schlussfolgerungen selber zu ziehen, doch es war eindeutig, welche Botschaft hier vermittelt werden sollte. Ebenso klar und eindeutig ist allerdings auch, dass die Nationalsozialisten mit den Juden genau dasselbe gemacht haben. Zunächst. Danach wurde ein Völkermord begangen, der an Systematik, Grausamkeit und Unmenschlichkeit nicht mehr zu übertreffen ist. In dieses Eck stellt sich Strache, mit seinem unsäglichen Deutschnationalismus, seinem Hass gegen alles, was er als „ausländisch“ betrachtet. Es ist die Frage, ob wir so jemanden in Österreich wollen, ob wir eine Partei wie die FPÖ daraufhin unterstützen. Ganz ehrlich? Für mich stellt sich diese Frage nicht, das hat sie noch nie. Ich bin kein Rassist. Ich bin, das ist kein Geheimnis, ein überzeugter Sozialdemokrat. Allerdings sieht das ein großer Teil der österreichischen (Wahl-)Bevölkerung nicht so, wenn man den aktuellen Umfragewerten glauben kann: Hier bricht die FPÖ lediglich um ein paar Prozentpunkte hinter die ÖVP ein, liegt aber noch über 20%. Man fragt sich da doch, warum diesen Menschen die Gesinnung dieser Partei scheinbar egal ist. Immer wieder hat man so etwas in der FPÖ: Werner Königshofer, der wegen rechtsradikaler Äußerungen aus der Partei ausgeschlossen werden musste, Barbara Rosenkranz, die das Verbotsgesetz am liebsten geändert, vielleicht sogar abgeschafft werden sehen will und andere Beispiele, die wegen Verstoßes gegen das Wiederbetätigungsgesetz verurteilt wurden, zeigen, wie sehr durchwirkt die „Freiheitlichen“ von dem rechten Gedankengut sind.

Doch man sollte sich wirklich fragen: „Will ich ein Kreuz bei einer solchen, klar rassistischen Partei machen?“ Erfolgreich ist die FPÖ durch die Medien – ich will fast sagen, wenn sie totgeschwiegen würde, dann würde sie ein paar Stimmen einbüßen. Furchtbar ist, dass „rechts zu sein“ scheinbar wieder in Mode kommt in Österreich. Nicht nur in Österreich, auch in Ungarn, Frankreich, im Rest Europas. Doch nirgendwo ist dieses Thema so pikant und historisch behaftet wie in Österreich, abgesehen von Deutschland – wo jedes Aufflammen von Antisemitismus mindestens einen Rücktritt zur Folge hat, also die Lage mit Österreich nicht wirklich zu vergleichen ist. Nein, in Österreich wird ein Interviewer unflätig beschimpft, wenn er versucht, ein vernünftiges Interview mit einem Opfer-Täter-Umkehrer zu führen, es wird agitiert, es werden Menschen angegriffen – und nicht, nur, wie die FPÖ es gerne darstellt – von „linksradikalen Elementen“ sondern sehr wohl auch von Rechtsextremisten. Nett ausgedrückt.

Wie dem auch sei. Es würde mich bei der nächsten Wahl nicht wundern, wenn wieder Schwarz mit Blau paktieren würde. Die SPÖ hat das allerdings auch zu einem großen Teil ihrer eigenen Unfähigkeit zu verdanken. Es entsteht nicht der Eindruck einer Partei, die dazu fähig ist, Entscheidungen zu treffen. Man wird sehen. Fast sicher ist jedoch, dass die Blauen ihren Spitzenplatz bis zur Wahl werden halten können. Denn dadurch, dass die Politikverdrossenheit der Bevölkerung steigt, wird es immer wahrscheinlicher, dass die FPÖ prozentuell gesehen mehr Stimmen auf sich vereinen kann. Und das wird bedenklich. Man blicke nach Ungarn.

Advertisements

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s