„Mit Migrationshintergrund“

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Mal ehrlich. Was heißt das überhaupt? „Migrationshintergrund“, was soll das sein? Hängt das immer hinter einem, wie ein Bild an der Wand, wie ein Bild von Hermann Nitsch? Wer hat so einen Hintergrund, bin ich so jemand, ich lebe in Niederösterreich, studiere in Wien, habe ich jetzt einen Migrationshintergrund? Eigentlich dient diese Bezeichnung doch nur dazu, Menschen zu kennzeichnen, die nach der Meinung verschiedener Leute nicht aus Österreich kommen können, warum auch immer. Fragen Sie Günter Platter. „How do you do?“ und der Angesprochene antwortet auf Deutsch. Dem sein Gesicht hätt ich gern gesehen. Platters, nicht das von Alaba.

Das eigentliche Problem ist ja, dass so gekennzeichnete, „mit Migrationshintergrund“ das nicht mehr loskriegen. Sie kriegens nicht mehr weg, ist so wie ein falscher Fünfziger, der immer wieder auftaucht. Wenn es wenigstens dabei bliebe, wäre es nicht so schlimm, wie es ist: Durch dieses Abstempeln, durch diese Kategorisierung „der hat einen Migrationshintergrund“ bleibt das im Hinterkopf, der Stempel setzt sich fest, wie ein Bandwurm. Das führt dazu, dass nicht nur die Leute ihr Fett wegkriegen, die schon ganz expertenhaft einen solchen bescheinigt bekommen, sondern auch diejenigen, die besagten Menschen ähnlich sehen. Um am Beispiel David Alaba zu bleiben: er ist dunkelhäutig. Ja, macht ja nix, nicht? Ist jetzt dieses „mit Migrationshintergrund“ bereits im Hinterkopf, möglicherweise mehrere Dunkelhäutige. Das ist dieses Problem, weil nämlich dann auch diejenigen, die schon mehrere Generationen in Österreich leben, hier geboren wurden und aufgewachsen sind, das Bild vom Nitsch weitergegeben bekommen.

„Mit Migrationshintergrund“ ist nicht sinnvoll. Es ist eine Kategorisierung, die hier vorgenommen wird. Im Prinzip willkürlich, nach äußerlichen, nach körperlichen Merkmalen. Wer legt fest, wie jemand aussieht, der „Migrationshintergrund“ hat? Nach welchen Kriterien wird das ausgewählt? Migranten und Migrantinnen sind ebensolche. Hingegen Kinder der Migrantinnen und Migranten werden dann damit abgestempelt. Das geht sogar so weit, dass wenn die Kinder mit 5-Euro-Scheinen bezahlen wollen, die allen Ernstes unter die UV-Licht-Vorrichtung für 100-Euro-Scheine gehalten werden. Das schafft ein Klima gegenseitigen Misstrauens. Noch dazu, da diese Bezeichnung „Migrationshintergrund“ so wahnsinnig viel offen lässt. Sie lässt Raum für Vorstellungskraft – wird er dann noch mit Dingen wie Raubüberfall, Diebstahl oder dergleichen in diversen Medien verbunden, entstehen rasch Vorurteile. Wie auch Albert Einstein sagte: Vorurteile zu zertrümmern ist schwerer, als Atome.

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