Parteipolitik raus aus der Schule!

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Bildungsministerin Claudia Schmied lässt aufhorchen: in der ORF Pressestunde verkündete sie, Parteipolitik müsse „raus aus der Schule“. Der logische Schluss daraus wäre, dass Parteipolitik in der Schule stattfindet, für Schmied ist auch das „Realität“.

Österreich 2020 - Bildungstalk mit Claudia Schmied

Parteipolitik in der Schule, das ist ein vergleichsweise altes Thema. Die Befürchtung, Schülerinnen und Schüler könnten in die eine oder andere ideologische Richtung „erzogen“ werden, sind ja prinzipiell nicht unbegründet – stehen aber einer echten und inhaltlichen Schulreform im Weg. Nur ein Beispiel: An Gymnasien wird es ein Fach „politische Bildung“ so schnell wohl nicht geben, da die ÖVP darin eine „rote Kaderschmiede“ vermutet. Und davor hat die Volkspartei enorme Angst; das ist auch der Grund, warum das Fach Politikwissenschaft an der Universität Wien bis zur Kanzlerschaft Bruno Kreiskys nicht eingeführt worden ist. Zwar gibt es heute ein Fach „Geschichte und politische Bildung“, das einzige Zugeständnis das dabei gemacht wird, ist, dass es eine Geschichte der Politik, eine Geschichte aus Perspektive der Politik ist, die hier unterrichtet wird.

Ich selbst kann mich noch gut an meine Geschichte-Stunden erinnern – so lang ist es ja auch wieder nicht her. Wäre ich selbst nicht an Geschichte interessiert und hätte einiges davon nicht mehr miterlebt, ich wüsste heute wahrscheinlich immer noch nicht, wer unter anderem Andreas Baader, Nelson Mandela, Kurt Waldheim, Bill Clinton oder Margaret Thatcher waren und sind. Dafür weiß ich, wer Friedrich Barbarossa war, in welchem Fluss er ertrunken und welchen Kreuzzug er angeführt hat. Das ist nicht nur traurig, das ist regelrecht ein Armutszeugnis für unsere Schulen.

Nicht, dass ich prinzipiell etwas gegen das Unterrichten von mittelalterlichem Stoff habe. Nur sollte dabei eines nicht zu kurz kommen: eine Bildung und eine Erziehung zur Demokratie, wie sie unter anderem Theodor Adorno fordert. Ja, es braucht geschichtssensible Menschen, die sich idealerweise auch gut mit dem Mittelalter auskennen. Dabei darf Zeitgeschichte nicht vergessen werden, dabei darf nicht vergessen werden, die Bedeutung von Politik zu vermitteln. Oder ein anderes Beispiel: es ist ganz toll, Walther von der Vogelweide in Deutsch zu lesen, aber die Vermittlung von Medienkompetenz darf nicht vergessen werden.

Claudia Schmied hat absolut recht. Parteipolitik gehört nicht an die Schule. Auch die ÖVP hat recht, das Fach politische Bildung darf keine „rote Kaderschmiede“ werden, in der unkritisches Erziehen zu sozialdemokratischen Werten steckt. Allerdings werden Schülerinnen und Schüler oftmals ebenso unkritisch nach einem (neo-)liberalen Paradigma in Geografie und Wirtschaftskunde unterrichtet. Verteilungsfragen werden praktisch gar nicht behandelt und Sozialismus als „Spinnerei“ abgetan. Das soll nicht bedeuten, dass ich mir ein sozialistisches Fach der Wirtschaftskunde in der Schule wünsche. Aber es sollte ausgewogen unterrichtet werden, sowohl hier als auch da. Das kann aber nur mit Reformen erreicht werden.

John F. Kennedy hat gesagt, dass uns nur eines auf Dauer teurer käme als Bildung, nämlich keine Bildung. Bildung brauchen wir, in Bildung und Erziehung zur Demokratie muss investiert werden. Ohne Parteipolitik.

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