Furcht und Feindschaft

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„Wo es normalen Kontakt gibt, scheint er auch zu funktionieren. Doch davon gibt es in Israel leider zu wenig. Die Trennung zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung ist seit Staatsgründung Teil des israelischen Selbstverständnisses. Und das macht rassistisch motivierte Gewalt um einiges wahrscheinlicher. Denn Feindbilder und Vorurteile sind immer anerzogen. Bekämpft werden sie am besten durch zwischenmenschliche Erfahrung.“ (Andreas Hackl, http://derstandard.at/1345165158167/Anti-arabischer-Extremismus-kommt-nicht-von-irgendwo, vom 25. August 2012)

Im Prinzip stimme ich Andreas Hackl dahingehend durchaus zu. Die Trennung palästinensischer und israelischer Bevölkerungsteile in Jerusalem ist meiner Meinung nach ähnlich der Segregation der dunkelhäutigen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten der 1960er Jahre, eine Katastrophe für die gesamte Gesellschaft. Dennoch glaube ich nicht, dass Vorurteile und Feindbilder, wie Herr Hackl es vorschlägt, alleine durch „zwischenmenschliche Erfahrung“ bekämpft werden können. Vielleicht in einigen Fällen, sicherlich. Andreas Hackl schreibt: „Wo es normalen Kontakt gibt, scheint er zu funktionieren.“ Insofern wäre die logische Konsequenz also daraus, dass man einfach nur arabischsprachige und hebräischsprachige Menschen näher zusammenbringt. Ich glaube, so einfach ist es nicht. Denn das, was Herr Hackl hier beschreibt ist im Prinzip nichts anderes als kultureller Rassismus. Den wird man auch durch eine Beseitigung einer gewissen Segregation nicht von heute auf morgen abschaffen. Es braucht Zeit. Doch natürlich erachte ich es auch für essentiell, diese Trennung der beiden Bevölkerungsgruppen auf gar keinen Fall länger aufrecht zu erhalten und zu fördern, denn die Gefährlichkeit dessen ist im derzeitigen Kontext gar nicht hoch genug einzuschätzen.

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Israel-Palestinian Wall Ich Bin Eine Berliner“ by Marc VeneziaOwn work Picture taken during a personal trip in Middle-East. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Ich glaube allerdings, wie gesagt, nicht, dass alleine die Verstärkung des zwischenmenschlichen Kontakts für eine Verbesserung der „Beziehung“ zwischen Palästinensern und Israelis sorgen wird. Denn damit bekämpft man meines Erachtens nach nur Symptome, nicht jedoch den eigentlichen Kern des Problems. Ich für meinen Teil muss dabei an den Versuch denken, einen Antisemiten zu „kurieren“, indem man ihm in Kontakt mit einem oder mehreren Juden bringt und im damit zu verstehen gibt, dass diese doch „in Ordnung“ wären – fatalerweise, denn dadurch wird davon ausgegangen, dass die Zielgruppe des Hasses irgendwie doch für den Hass, der ihr entgegenschlägt, verantwortlich wäre, dass diese doch irgendetwas damit zu tun haben müssten. Nein, einem Rassisten kann man nicht mit rationalen Argumenten erklären, dass sein Rassismus unbegründet ist. Vielmehr muss man die Gründe für Rassismus suchen und diese unterbinden, Menschen, die den Hass durch Polemik verstärken, dahingehend bestrafen und ganz generell versuchen, ein friedliches Miteinander zu schaffen. Noch einmal, natürlich ist eine Förderung des Miteinander da unerlässlich, doch es geht einfach nicht weit genug.

Es ist nicht leicht, aber es ist notwendig. Innerisraelische Probleme mit Rassismus sind deshalb so wichtig und gefährlich, da in der Region immer noch ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl der arabischsprachigen Bevölkerung vorhanden ist. Marco Schreuder, ein Bundesratsmitglied der Grünen, hat einmal gesagt, man müsse die Vernichtungsfantasien der Nachbarn Israels mitbedenken, bevor man den nahöstlichen Staat kritisiere. Auch das darf nicht außer acht gelassen werden, denn auch solche Dinge sind nicht gerade förderlich für ein friedliches Miteinander.

Jemand mag mir entgegenhalten, dass sich Österreich nicht unbedingt hervortue mit seiner Behandlung von anderssprachigen Minderheiten, dem werde ich sagen, dass das richtig ist. Bevor wir jemand anderen kritisieren, sollten wir lieber „vor unserer eigenen Türe kehren“. Doch die Kritik am israelischen Staat ist durchaus berechtigt. Dazu noch ein paar Worte: Kritik am Staat Israel bedeutet nicht, dass man ein Antisemit ist. Ich weise das aufs Schärfste zurück. Dennoch sollte man mit dem, was man sagt, ganz genau aufpassen. Besonders als Österreicher oder Österreicherin.

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