Das Überschreiten von Grenzen.

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Mit der Veröffentlichung einer antisemitisch veränderten Karikatur hat der Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs, Heinz-Christian Strache, eindeutig eine Grenze überschritten. Nein, es ist nicht die Grenze des guten Geschmacks, die er ignoriert hat. Antisemitismus ist kein Kavaliersdelikt. Eigentlich bleibt damit nur übrig, Strache zum endgültigen Rücktritt aus der österreichischen Innenpolitik aufzufordern.

Strache leugnet, dass der Cartoon antisemitisch ist. Er meint, diejenigen, die ihn dafür kritisieren, wären die eigentlichen, die wahren Antisemiten. Das ist nicht wahr. Strache weiß ganz genau, dass auf den Manschettenknöpfen des – hakennasigen – Bankers Davidsterne zu sehen sind. Strache meint, es wären Brillanten. Über Jahrhunderte wurde die Hakennase (darum auch oben die Erwähnung) als das Symbol für Juden hochstilisiert. Strache meint, es wären diejenigen Personen Antisemiten, die diese historische Kontinuität und „Rassenkonstruktion“ (Also das verbinden von körperlichen Merkmalen und ganz bestimmten Eigenschaften, die einer gewissen Gruppe, die etwas wie Nationalität oder Religion verbindet, aufgeprägt werden) wahrnehmen und zur Sprache bringen.

Strache bezichtigt also einen Haufen anderer Menschen, judenfeindlich zu sein.

„An Herrn Brandstätter (Kurier), Herrn Öllinger (Grüne) und Co! Ich lehne jedweden Antisemitismus vehement und grundsätzlich ab. Anbei auch ein Foto eines David-Sternes, für all jene, welche in ihren eigenen Köpfen auf den Manschettenknöpfen der Banker-Karikatur (dort befindet sich nämlich nachweislich kein Davidstern und keine antisemitische Assoziation) in
Ihrer Phantasie künstlich einen herbeireden wollen und sogar herbei geschrieben haben, um mir wieder einmal etwas perfides unterstellen zu können. Jedes Jahr folgt im Sommer das auftauchende Medien-Lochness um Quote zu schaffen. Immer wieder versucht man mit perfiden Agitatitionen falsche Bilder zu suggerieren, welche der Realität nicht entsprechen. Dies stößt immer mehr Menschen berechtigter Weise sehr sauer auf, da es durchschaubar ist und offensichtlich der blinde Hass und gezielte Hetze meine Gegner gegen meine Person antreibt. An all jene, welche dann auch noch Nasen einer Karikatur optisch nach ihrer Herkunft einzuteilen versuchen, sei gesagt, dass dies die zutiefst abzulehnende Form von Rassismus ist! Es wäre daher ratsam, wenn diese gesammelte HC-Jagdgesellschaft endlich aufhören würde in diese falsche und perfide Richtung künstlich etwas zu assoziieren was nicht der Realität entspricht und auch endlich zur Kenntnis nimmt, dass die FPÖ (mit STR David Lasar) aktuell in Hebron zwischen Palästinensern und Israelis vermittelt.“ (Zitiert laut STRACHE 2012, am 2. September: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151049041803591&set=a.226243068590.133860.74865038590&type=1&theater)

Das hat ein bisschen was von „Du bist ein Antisemit!“ – „Nein, du bist ein Antisemit!“

Ein solches Verhalten ist eines Politikers, der für sich in Anspruch nimmt, Bundeskanzler werden zu wollen, nicht würdig. Antisemitismus ist kein Kavaliersdelikt. Abgesehen davon, dass es eine Form des Rassismus ist, der einer Gesellschaft irreparablen Schaden zufügen kann (wer es nicht glaubt, sollte sich den Film Hotel Rwanda ansehen), deutet es zumindest auf ein Liebäugeln nicht nur mit nationalsozialistischem Abschaum, sondern insbesondere mit der Nazi-Vergangenheit Österreichs als auch Deutschlands.

Strache hätte oft genug die Gelegenheit dazu gehabt, dieses Posting als peinlichen Irrtum, Pech oder sonst etwas abzutun. Niemand hätte etwas gesagt, ihn gar kritisiert. Ein Irrtum unterläuft jedem einmal, das hätte wohl jeder eingesehen. Doch er hat es nicht gemacht. Er hat stattdessen dieses Bild versucht zu verteidigen, es so zu drehen, als wären sämtliche Vorwürfe gegen ihn gegenstandslos.

In unserer Medienlandschaft wird diese Karikatur viel zu wenig aufgegriffen. Was ist das für eine Gesellschaft, was für eine politische Kultur, in der Judenhass nicht mehr als etwas Abstoßendes angesehen wird, in der er nicht kritisierenswert scheint? Was mich noch mehr stört, beinahe ängstigt, ist, dass die FPÖ ungefähr ein Drittel der österreichischen Wahlbevölkerung zumindest hin und wieder anspricht, so sehr, dass diese ihr die Stimme durchaus geneigt sind zu geben.

Hier könnt ihr selbst urteilen, ob der Banker Davidsterne am Ärmel hat oder nicht: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151042880513591&set=a.226243068590.133860.74865038590&type=1&theater

Update:
Ich kann dir nur noch diesen Artikel empfehlen: http://bernhardjenny.wordpress.com/2012/09/01/es-ist-nicht-einzusehen-2/

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