Schuld oder Unschuld?

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Eine Botschaft ist unantastbar. Das ist die grundlegendste Regel internationaler Diplomatie – und sie wurde von Demonstranten bei wütenden, spontanen Protesten, aufgrund eines ekelhaften Schmähvideos über den Propheten Mohammed, gebrochen. Das ist in jeder Weise verdammenswert und kann kein Verständnis ernten.

US-Botschafter J. Christopher Stevens wurde bei dem Angriff auf das Konsulat in Benghazi getötet

Dennoch darf es uns, hier im „Westen“, in Europa oder in den Vereinigten Staaten nicht wundern, dass es generell Proteste gegen den „Mohammed-Film“ gibt. Eigentlich überrascht es mich, dass kaum ein deutschsprachiges Medium auf diese Proteste, seien sie nun berechtigt oder nicht, verständnisvoller eingegangen ist. Eher genau das Gegenteil ist passiert, immer wieder waren Kommentare zu lesen, dass der Film nicht so sehr aufgebauscht werden sollte, er sollte nicht verboten werden, sondern als Müll, Schrott und dergleichen betrachtet werden, der er ja auch ist.

Der Islam ist nicht nur eine Religion, für viele Muslime ist er eine fundamentale (Achtung, ich meine nicht fundamentalistisch) Lebensausrichtung. Er ist nicht bloß Spiritualität, Religiosität und Glaube, sondern fest mit dem Leben und der eigenen kulturellen Identität vieler Muslime verknüpft. Jahre- und jahrhundertelang wurden die Menschen im „Arabischen Raum“ unterdrückt – politisch und wirtschaftlich. Um sich gegen die westliche, dominierende Kultur zu „wehren“, sich von ihr zu unterscheiden, um dem „Westen“ wenigstens moralisch überlegen zu sein, ist man doch wirtschaftlich und politisch sowie militärisch haushoch unterlegen, fand eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte statt. Stellen diese Werte in Europa christliche Werte dar, sind es in einem muslimischen Land eben Werte des Islam.

Der islamische Prophet Mohammed gilt vielen dieser Menschen als zu heilig, um sich ein Bild von ihm zu machen. Ja, eine filmische Darstellung gilt gar als verpönt. Jetzt brach ein Mann dieses Tabu und stellte Mohammed sogar als Kinderschänder dar, beleidigte den Islam auf unterschiedlichste Weise und veröffentlichte dieses ekelhafte, schlecht gemachte Video auch noch. Auf Arabisch.

Kein Wunder, dass das als ein Angriff auf die eigene Identität und die eigenen Grundwerte aufgefasst wurde. Kein Wunder, dass es Proteste gab – die vielleicht nicht bloß religiös begründet waren, vielleicht auch instrumentalisiert wurden, um die US-Amerikanern „eins auszuwischen.“

Was mich wundert, sind die Menschen, die fordern, dass das Video gezeigt werden darf. Ich halte das für einen Fehler, denn dieser Film ist hetzerisch. Er stellt widerliches Material dar, egal, ob es künstlerisch wertvoll ist oder nicht, hierzulande ist Verhetzung eine Straftat, eine Mandatarin ist deswegen rechtskräftig verurteilt worden.

Nein, anstatt dieses Video sperren zu lassen, was meiner Meinung nach ein angemessener Umgang damit wäre, legen (andere) noch nach: Dass das französische Magazin Charlie Hebdo zu genau diesem Zeitpunkt Mohammed-Karikaturen veröffentlichen muss, ist dumm und muss nicht sein. Denn karikiere ich Jesus, ist das meine Sache. Aber wie würde die Kirche und der Rest der „westlichen Welt“ reagieren, veröffentlichte Al-Jazeera ein Schmähvideo über ihn?

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