The End of the Word as We know it?

Immer wieder gibt es Schwarzseher, die – seit es Smileys gibt – prophezeihen, dass die Sprache, zumindest wie wir sie kennen, mit dem Internet zum Tode verurteilt ist…

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Erkläre die Welt, in 140 Zeichen

140 Zeichen, aus mehr besteht ein Tweet nicht. Die „Statusmeldungen“ auf dem sozialen Netzwerk Twitter sind schnell einmal getippt und gesendet, sie gehen in der Menge an Tweets unter, sind nicht besonders beeindruckend. Das änderte sich jedoch mit einem Schlag im Februar 2011. Plötzlich bekamen Tweets Macht. Diejenigen, die im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings gegen Diktatoren wie Ben Ali, Hosni Mubarak und Muammar Gaddafi auf die Straße gegangen waren, wussten die Errungenschaften moderner Kommunikationstechnologien bestens für sich zu nutzen, besonders die Möglichkeiten, die Social Media ihnen bot. Kommunikation über Facebook und Twitter ist praktisch nicht zu unterbinden und bietet die erforderliche Geschwindigkeit, um Demonstrationen und Proteste zu koordinieren. Schnelle Kommunikation über das Internet erfordert allerdings, Botschaften möglichst kurz und präzise zu halten. Dabei werden Regeln der Rechtschreibung und vor allem der Grammatik gedehnt und gedreht, teilweise außer Kraft gesetzt und nur noch zu bloßen Richtlinien.

Das Internet ist ein Phänomen, das die Veränderung der Sprache sehr stark beeinflusst, viel stärker, als es jemals zuvor der Fall gewesen ist. Bedeutete beispielsweise die Lutherbibel den „Durchbruch“ des Deutschen als Literatursprache und prägt sie unseren Wortschatz bis heute, verblasst ihre Bedeutung angesichts der Bedeutung der Telekommunikation für die Entwicklungen der Gesellschaft und damit die Entwicklung der Sprache: Unser Alltag unterliegt massiven Veränderungen, durch tägliche Überschüttung mit Informationen, die ständige Verfügbarkeit von Webseiten, Nachrichten, TV-Sendungen sowie Blogs – und der Geschwindigkeit, mit der das alles geschieht. Doch nicht nur der Alltag verändert sich, vielmehr bedeutet das Netz einen Wandel der gesellschaftlichen Ausdrucksformen, beispielsweise Musik oder Kunst – und auch der Sprache.

Sprache steht nicht fest, Rechtschreibung und Grammatik sind nicht in Stein gemeißelt. Wörter müssen nicht gleich bleiben und sie tun es auch nicht. Bedingt durch sozialen Wandel ändert sich Sprache – und es gibt kein mit dem Internet vergleichbares Phänomen, das Veränderungen der Gesellschaft so sehr vorantreibt. Es gibt kein auch nur ansatzweise vergleichbares Phänomen, das die Gesellschaft, damit auch die Sprache, so sehr verändert hat, wie es die Entwicklung der Kommunikation über das Internet es bereits getan hat. Durch das Netz verschwimmen Grenzen und werden praktisch aufgelöst, neue Räume der Kommunikation entstehen, denen lediglich – ironischerweise – unterschiedliche Sprachen im Weg stehen. Dieser Wandel der Kommunikationsweisen ist allerdings nichts Ungewöhnliches, er fand schon statt, seit Menschen miteinander sprachen. Das Internet oder Social Media beschleunigen diesen Vorgang lediglich, was weder gut noch schlecht, sondern einfach, zumindest auf Twitter, Realität ist.

Ich blogge, also bin ich?

Das Internet verändert die Sprache. Doch nicht nur das, es verändert zweifelsfrei auch die Art, wie wir kommunizieren. War es in der Zeit vor dem Internet noch sehr schwierig, viele Menschen mit den unterschiedlichsten Nachrichten zu erreichen, musste man beispielsweise in Zeitungen Anzeigen schalten und Briefe schreiben, ist es heute für beinahe jedermann mit Internetanschluss möglich, theoretisch weltweit gelesen zu werden. Man sendet an einige Kontakte eine E-Mail, postet eine Statusmeldung auf Facebook oder veröffentlicht einen Text auf einem persönlichen Blog. Noch nie war es so einfach, viele Menschen zu erreichen, Menschen, die man vielleicht gar nicht kennt. Doch diese ständige Verfügbarkeit aller möglichen Nachrichtenkanäle, die nicht mehr nur in eine Richtung gehen, bringt auch eine nicht zu unterschätzende Herausforderung mit sich. Da theoretisch jeder dazu in der Lage ist zu bloggen oder eine Nachricht über Twitter abzusetzen, steigt der Druck auf diejenigen, die publizieren. Man muss auffallen, um gelesen zu werden, qualitativer Content alleine reicht bei Weitem nicht.

Eine schier unüberschaubare Anzahl an Blogs überschwemmt derzeit das Internet. Bloggen ist meines Erachtens nach einer jener Kommunikationskanäle, die die Digitalisierung unseres Lebens demonstrieren. Blogs treten – zwar nicht immer unbedingt, aber doch sehr stark – in Konkurrenz zu Zeitungen und Zeitschriften, die auch dadurch in einer veritablen Krise stecken. Einbrüche bei Anzeigenkäufen, mangelnder Verkauf und zu teure (weil von professionellen Journalisten gestaltete) Berichterstattung gehen Hand in Hand. Demgegenüber stehen Blogs, dezentral, wachsend, gratis. Viele Blogger schreiben lediglich in ihrer Freizeit, schaffen es aber dennoch gutes, qualitativ hochwertiges Content zu produzieren. Dass Blogs und Zeitungen nicht immer in Konkurrenz zueinanderstehen, zeigt allerdings der Journalist Nate Silver. Als er sein Blog Five-Thirty-Eight gestartet hat, hätte er wohl nicht gedacht, schon bald für die New York Times zu schreiben. In der deutschsprachigen Blogosphäre würde man wohl auf Neid und Missgunst stoßen, gelänge einem solch ein Erfolg.

Und die Sprache?

Das Internet beschleunigt zwar generell sozialen Wandel, von Blogs wird die Sprache allerdings kaum beeinflusst. Eher durch die Eröffnung neuer sozialer Räume, und damit auch die Veränderung der Kommunikation durch das Internet. Unter anderem dahin gehend, dass englische Wörter immer stärker Einzug in andere Sprachen finden, allerdings nicht so radikal und grundlegend, wie manche Menschen das glauben. Twitter ist ein Beispiel dafür, wie stark die Sprache verkürzt wird, Blogs sind ein krasses Gegenbeispiel. Denn manchmal reichen 140 Zeichen einfach wirklich nicht und dann liegt es nahe, über ein Thema, das einem wichtig erscheint, zu bloggen. In aller Ausführlichkeit.

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