Der vergessene Völkermord

Abseits von vielbeachteten Kämpfen wie in Syrien, Mali oder Afghanistan passiert jetzt gerade eine humanitäre Katastrophe. Gerade jetzt findet – je nachdem, welcher Definition man glaubt – ein Völkermord statt. Allein: Die Welt scheint ihn vergessen zu haben.

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31. Juli 2007, New York City. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt mit der Resolution 1769 die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe nach Darfur, Sudan. Das Mandat von UNAMID besteht darin, sowohl sich selbst als auch die Zivilbevölkerung in der Region mit Waffengewalt zu schützen. Auf dem Papier klingt das wie die Lösung eines bereits sehr lange andauernden und sehr blutigen Konflikts, doch die Realität sieht ganz anders aus. Darfur ist weit von einer Lösung entfernt, an Frieden ist gar nicht zu denken. Die UN-Mission selbst trägt auch kaum dazu bei, dass die sich die Lage verbessert. Immer wieder wird kritisiert, dass UNAMID ihre ziele nicht ernst nehmen würde, bei Gräueltaten nur zusehen würde. Mit Hilfe wäre von dieser Seite nicht zu rechnen. Die Vereinten Nationen weisen diese Kritik zurück. UNAMID leiste gute Arbeit in Darfur. Allein die Lage ändert sich nicht, sie änderte sich seit 2003 nicht. Das Morden der Dschandschawid, also jener Reitermilizen, die von Khartoum bewaffnet werden, geht unvermindert weiter.

Darfur Village Abandoned after Heavy Clashes

Seit dem Jahr 2003, also seit Beginn des Konflikts, starben mehr als 300.000 Menschen, 2,5 Millionen befinden sich auf der Flucht. Allein seit März 2013 flohen mehr als 50.000 Menschen in den sudanesischen Nachbarstaat Tschad, der Verein Ärzte ohne Grenzen warnt vor einer humanitären Katastrophe. Diese ist allerdings längst passiert. Ungeachtet der Präsenz von UNAMID geht das Morden weiter, ein Ende des Grauens ist nicht in Sicht. Dieses findet nicht versteckt statt, es passiert nicht heimlich. Quasi vor den Augen der Vereinten Nationen und der Welt werden immer grausamere Verbrechen begangen. Bereits seit zehn Jahren wird in Darfur gemordet. Am 31. Juli 2013 wird das Mandat von UNAMID höchstwahrscheinlich vom Sicherheitsrat verlängert werden. Erreicht wurde wenig.

Für die westlichen Medien ist Darfur schlicht einer der vielen Konflikte, die sich auf dem afrikanischen Kontinent ereignen. Schwer zu durchschauen, noch schwerer zu analysieren und einfach nicht der huldvollen Aufmerksamkeit wert. Zu wenig passiert, zu lange ist die Situation noch dieselbe geblieben. Ob das Morden in Darfur nun ein Völkermord ist oder nicht, andere Konflikte wirken für westliche Leserinnen und Leser schlicht interessanter. Beispielsweise der Syrische Bürgerkrieg. Oder der Mali-Konflikt mit französischer Beteiligung. Das sind Konflikte, die direkt die Europäische Union bzw. die Vereinigten Staaten betreffen. Da die Vereinten Nationen ohnehin eine Mission nach Darfur gestartet haben herrscht vielerorts der Glaube, es werde schon genug getan. In Wahrheit wird der Genozid dort ignoriert.

Auf eine bizarre Art und Weise kann man der internationalen Presse nicht einmal wirklich übelnehmen, dass sie nicht über Darfur berichtet. Immerhin liegt der afrikanische Kontinent kaum im Fokus westlicher Medien und das Klischee, dass sich dort ohnehin alle gegenseitig umbringen ist im Westen weit verbreitet. So zynisch es ist, Darfur interessiert hier niemanden. Nicht, wenn nicht etwas sehr Eindrucksvolles passiert. Wesentlich wichtiger sind uns Geplänkel im österreichischen Wahlkampf, die kaum Informationswert besitzen. Außerdem stellt man sich bei Zeitungen die Frage: Wer würde sich schon wegen einer Titelgeschichte über Darfur ein Exemplar kaufen? Wen interessiert’s?

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