DU verstehst nix von der Wirtschaft

Frank Stronachs Auftreten in Diskussionssendungen hat sich nicht sehr stark verändert. Unter Umständen kann das seinen Kontrahenten mehr nutzen als schaden.

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Ingrid Thurnher hatte gestern abend bei der zweiten TV-Konfrontation zur Nationalratswahl keine leichte Aufgabe. Bei der Debatte zwischen Josef Bucher (BZÖ) und Frank Stronach (TS) war es vor allem das Auftreten des letzteren, das die Journalistin an den Rand der Verzweiflung zu bringen schien. In der ihm üblichen Weise nicht auf Fragen zu antworten, stellte der austro-kanadische Milliardär fest, dass der BZÖ-Spitzenkandidat ihm intellektuell sowie ökonomisch deutlich unterlegen sei und kritisierte das Sendungsformat heftig. Der gegen Ende Humor zeigende Hr. Bucher versuchte thematisch zu überzeugen, was ihm allerdings nur bedingt gelang. Hrn. Stronachs Auftreten mochte inhaltlich nicht überzeugen, doch wie auch bei seinen anderen Auftritten war er die auffälligste Person.

„Es wird der finale Todesstoß für Josef Bucher.“
Rudi Fußi

Seit das Team Stronach gegründet und dessen Programm veröffentlicht wurde, schließen Kommentatoren und Umfragen aus, dass das BZÖ erneut in den Nationalrat einziehen könnte. Viel zu ähnlich wären sich die Parteien, Josef Bucher wäre viel zu farblos und das Team Stronach biete keine richtige Angriffsfläche. Es kann also durchaus behauptet werden, dass es für das BZÖ um das blanke Überleben geht – es hat aber auch nichts mehr zu verlieren. Durch persönliche Differenzen stehen sich Hr. Stronach und Hr. Bucher nun als Konkurrenten gegenüber und werben um dieselbe Gruppe von Wählerinnen und Wählern. Das Verhältnis der beiden Parteichefs ist dementsprechend angespannt. Die Diskussion, die sich vor allem um wirtschaftliche Themen drehte, war von scharfen verbalen Attacken geprägt.

„Ich glaube kaum, dass du irgendeine Stelle finden könntest. Ich glaube, du bist fehl am Platz. Ich glaube, du wärst ein guter Koch oder ein guter Kellner, es braucht aber ein bisschen mehr, um im Parlament zu sein.“
Frank Stronach

Einer Diskussion bezüglich des Steuerprogramms von BZÖ und TS folgte eine Debatte über Armut- und Sozialpolitik, schließlich über den Schuldenabbau und gegen Ende über den Euro. Von Anfang an war die Diskussion von direkten Attacken geprägt. Es erweckte allerdings den Eindruck, dass Hr. Stronach solche Angriffe nicht gut verträgt. Im Zunehmenden Verlauf der Debatte beantwortete der Gründer des Team Stronach praktisch keine einzige Frage Ingrid Thurnhers mehr, beschwerte sich über das Format der Sendung und antwortete mit verbalen Rundumschlägen. Insgesamt erweckte der 81-jährige Unternehmer einen arroganten, überheblichen Eindruck, während sein Gegenüber in erster Linie techno- und bürokratisch wirkte. Der Verlauf der Sendung bevorzugte allerdings den BZÖ-Obmann, der immer mehr in die Position geriet, mit Humor kontern zu können, während der Milliardär sich mit seinen Ausführungen immer mehr verrannte und hineinsteigerte. Stellenweise mochte man sogar glauben, dass nicht er und Josef Bucher, sondern er und Ingrid Thurnher miteinander diskutierten. Nichtsdestotrotz gelang es ihr mehr schlecht als recht, den Milliardär zu bändigen – wenngleich sie ihre Sache unter schwierigen Umständen sehr gut gemacht hat.

„Ich würde dich gern einladen, zu mir zu kommen. Du könntest unser Pensionistensprecher werden, im BZÖ.“
Josef Bucher

Frank Stronachs „Antworten“, die oftmals nichts mit der Sache zu tun haben, sind mittlerweile charakteristisch für seine TV-Auftritte. Wird etwas zum Euro gefragt, spricht er über die Schule, will man über sein Steuerkonzept sprechen, erklärt er, was in Österreich falsch läuft. Dennoch wirkt er vitaler als der wesentlich jüngere Josef Bucher, der in der Diskussion halbwegs freundlich und wesentlich weniger angriffslustig blieb. Wirklich überzeugen konnte keiner der beiden Kandidaten: Während Hr. Stronach von seinem üblichen Auftrittsmuster kaum abwich und sehr emotional reagierte, punktete Hr. Bucher vor allem inhaltlich. Er wirkte stellenweise sympathisch, aber viel zu konventionell. Dieses Duell war, wie alle anderen Auftritte von Frank Stronach im Fernsehen, bestenfalls befremdlich, dennoch war es seine Show.

 

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