Es sind Fakten

Müde und ausgelaugt wirkte Heinz-Christian Strache gegenüber einer vitalen, frischen Eva Glawischnig. Die Parteichefin der Grünen überzeugte vor allem inhaltlich.

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Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Eva Glawischnig (Grüne) sind keine Freunde, weder persönlich noch politisch. Das schlug sich auch in der TV-Debatte nieder. Die beiden blieben zwar immer höflich, schenkten sich aber nichts. Hr. Strache war zudem auffallend zurückhaltend, wirkte müde und angespannt – und blieb gegen die deutlich frischer wirkende Fr. Glawischnig auffallend in der Defensive. Die Themen, Korruption in der Politik, Steuerhinterziehung, Asylpolitik, direkte Demokratie und die Diskussion über Arbeitslosigkeit hätten eigentlich beiden genug Stoff gegeben, um mehrere Stunden lang zu debattieren. Heinz-Christian Strache versuchte es bei Vorwürfen mit den üblichen FPÖ-Kommunikationsmustern (also Leugnung, der Unterstellung, das Gegenüber verdrehe Fakten und reiße aus dem Zusammenhang sowie schlicht falschen Behauptungen), gegen die Fr. Glawischnig durchaus gut konterte. Sie selbst wurde bei den Themen direkte Demokratie, bezüglich der nicht stattgefundenen Abstimmung über die Fußgängerzone auf der Mariahilfer Straße, und beim neuen Stil der grünen Wahlwerbung in die Defensive gedrängt.

„Ich würde mir halt wünschen, aber das ist sehr viel verlangt von der Eva, dass sie den auslacht. Dass sie den nicht mehr ernst nimmt. Ist ja nicht ernst zu nehmen.“
Freda Meissner-Blau

Das aktuelle Wahlkampfthema der Grünen ist die Korruption – die Parteichefin erzielte zumindest in der TV-Konfrontation gegen Hrn. Strache damit einen Erfolg. Durch die clevere Behauptung, Strache habe es nicht geschafft, in seiner eigenen Partei aufzuräumen, unterstellt sie, Strache wäre entweder zu unfähig dazu oder nicht willens. Beides keine besonders schmeichelhaften Alternativen. Der blaue Parteichef schaffte es allerdings nicht überzeugend, das zu widerlegen, indem er – wiederum clever – nicht auf die Vorwürfe Fr. Glawischnigs einging, sondern versuchte, sie in Detailfragen zu korrigieren und die Grünen selbst als korrupt darzustellen.

„Ich bin mit Volker Piesczek verheiratet, ich bin schwer zu beeindrucken, was Oberkörper angeht.“
Eva Glawischnig-Piesczek

Ähnlich wie beim Thema Korruption ging es die restliche Diskussion weiter, Fr. Glawischnig griff Hrn. Strache an, dieser konterte. Insgesamt punkteten beide Parteichefs aller Wahrscheinlichkeit nach bei ihren Kernwählerschichten, versuchten aber auch noch darüber hinaus zu wirken. Während sich Heinz-Christian Strache zurückhaltend gab, versuchte die grüne Parteichefin, ein wenig natürlicher zu wirken, als man es sonst von ihr gewohnt ist. Das führte dazu, dass sie immer wieder ein wenig in Dialekt verfiel, was paradoxerweise ein wenig künstlich wirkte.

„Sagen Sie uns, mit welcher Partei Sie zusammenarbeiten würden!“
Ingrid Thurnher

Am Ende der Diskussion kamen die Postings der Rechtsextremen auf Facebook zu sprechen, von denen sich Heinz-Christian Strache, wie aber zu erwarten war, nicht explizit distanzieren wollte. Ingrid Thurnher, die an diesem Abend sowohl in dieser, als auch in der nächsten Runde zwischen Frank Stronach und Josef Bucher, ausgezeichnet moderierte, musste mehr als einmal nachfragen, was Koalitionspräferenzen betraf. FPÖ- und Grün-Wählerinnen und Wähler dürfen sich allerdings nach diesem Abend bestätigt sehen. Unentschlossenen dürfte jetzt allerdings eines klar geworden sein: Die Grünen sind keine unerbittliche Oppositionspartei mehr, die keinesfalls in die Regierung gehen wird.

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