Im Hintergrund Haider

Für das BZÖ geht es um nichts Anderes als um das Überleben. Ein sehr emotionaler und angriffslustiger Werner Faymann belehrt allerdings dessen Spitzenkandidaten, Josef Bucher.

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Werner Faymann riss mit Josef Bucher der Geduldsfaden. Bei praktisch jedem Thema hielt er dem BZÖ-Obmann eine Standpauke, die insgesamt sehr gut zur SPÖ-Plakatreihe passt. Der Bundeskanzler nicht nur als Staatsmann mit sicherer Hand, sondern auch als jemand, der sich leidenschaftlich für die Belange der Arbeiterinnen und Arbeiter und der Pensionistinnen und Pensionisten einsetzt. Josef Bucher wirkte, wie schon bei seinem Duell gegen Frank Stronach blass, war aber deutlich angriffslustiger. Dennoch gilt für Hrn. Faymann nicht dasselbe wie für den Milliardär: Frank Stronach kann man ausmanövrieren, in dem man ihn ein wenig provoziert und dann anlaufen lässt. Einem Werner Faymann darf man die Show so einfach nicht überlassen.

„Wenn ich dem Josef Bucher etwas raten darf, dann bitte nicht Streithansl sein.“
Walter Sonnleitner

Rekordarbeitslosigkeit, Rekordschuldenstand, Rekordabgabenquote: Während Josef Bucher dem Bundeskanzler vorwarf, seine Bundesregierung stelle bloß Negativrekorde auf, nutzte Hr. Faymann die Chance und brachte schon früh das Angstszenario schwarz-blau ins Spiel. Da eine ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung theoretisch durchaus im Bereich des Möglichen liegt (wohl aber nur mit einer Beteiligung des Team Stronach), versucht die SPÖ klarerweise diese beiden Parteien so zu diskreditieren und als Szenario, dass unbedingt vermieden werden muss, hinzustellen.

„Sie haben ja gesagt, die Frühpensionisten sind Arbeitslose!“
Werner Faymann

Griff der BZÖ-Obmann das Verhalten der Bundesregierung, wie Schulden- oder Arbeitslosenquotenberechnung an, war das für Hrn. Faymann ein Schlechtreden des Landes. Ist die Bundesregierung zu wenig aktiv, so dürfe man die Menschen nicht dauernd verunsichern. Nach diesem Muster ging das Duell weiter. Werner Faymann wurde angegriffen, ließ diesen Angriff mit der Behauptung, er wäre unwahr oder das vorgestellte Modell Josef Buchers wäre unpraktikabel, ins Leere laufen und ging seinerseit in die Offensive. Besonders hervorzuheben ist die Diskussion um die Pleite der Hypo Alpe Adria: der Vorwurf, die Republik hätte falsch gehandelt und wäre dadurch zu übermäßigen Schulden gekommen, ließ Werner Faymann verbal explodieren: „Ihre Ahnungslosigkeit ist atemberaubend!“ Josef Bucher besäße nicht den Charakter zuzugeben, dass die FPÖ Kärnten, die damals noch seine Familie gewesen wäre, einen schweren Fehler begangen hat. Das ist eine prinzipiell gute Taktik, Werner Faymann stellte Josef Bucher als Überbleibsel der Haider-Periode dar. Das BZÖ als Partei hat im Hintergrund immer Jörg Haider stehen, was Hr. Faymann in Erinnerung rief.

„Eines darf Werner Faymann Josef Bucher nicht schenken. Er ist der Obmann des BZÖ, in dem Sinn hat Bucher auch unsichtbar alle Skandale Jörg Haiders und dessen Kumpane auf den Schultern sitzen.“
Josef Broukal

Der Fernseh-Auftritt Werner Faymanns war auf die bisherige Wahlkampflinie gut abgestimmt. Faymann wirkte durchaus kompetent und leidenschaftlich. Hr. Bucher versuchte zwar, anzugreifen und sich selbst als ebenso tatkräftig und mittig darzustellen, wie Hr. Faymann, das konnte dieser logischerweise so nicht stehen lassen.

Während die Diskussion der beiden Kontrahenten durchaus spannend war, war das Publikum, das bei praktisch jeder Aussage der beiden Kandidaten eifrig Beifall spendete, schlichtweg störend. Einerseits war es offensichtlich hemmend für die Diskussion und für die Moderation und andererseits ist es verzerrend für die Zuseher, da Anhänger der Parteien der jeweiligen Spitzenkandidaten das Publikum stellen. Der ORF täte gut daran, Publikum bei solchen Sendungen draußen zu halten.

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