Voller Nächstenliebe

Heinz-Christian Strache ist voller Nächstenliebe – aber nur für „unsere Österreicher“. Hinter dem diesjährigen Sujet verbirgt sich die übliche Kampagne der FPÖ.

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Kampagnen der Freiheitlichen zu analysieren ist beinahe schon langweilig geworden. Eigentlich steht immer dasselbe Konzept hinter dem Auftreten der FPÖ. Ihr Spitzenkandidat (der längstdienende Parteichef in der Geschichte der zweiten Republik, Heinz-Christian Strache) wird üblicherweise als jugendlich-frisch dargestellt, als Protestierender, als jemand, der sich von denen da oben nicht den Mund verbieten lassen will. Zusätzlich zu dieser Inszenierung kommt noch der für die FPÖ übliche Angriff gegen Ausländer. Gehört es für erfolgreiche (Plakat)Kampagnen irgendwo dazu, eine patriotische Anspielung zu verstecken (beispielsweise bei den aktuell zu betrachtenden Plakaten der SPÖ oder auch das Wahlkampfsujet von François Hollande in Frankreich), so ist diese Anspielung im Falle der FPÖ weder eine Anspielung noch versteckt. Vielmehr wird die Österreich-Fahne überdeutlich dargestellt. Die Partei hatte durchaus ihren Erfolg damit. Doch dieser Erfolgslauf, den die Freiheitlichen seit der Übernahme des Parteichef-Postens durch Hrn. Strache hatten, dürfte vorbei sein.

Die Ausländerfeindlichkeit ist für die FPÖ ein Kernthema, die Hetze gegen diese, insbesondere gegen Muslime, gehört bei ihr schon zum Standardrepertoire. Die FPÖ ist ein Beispiel für eine Partei, die von einer Minderheit de facto kontrolliert wird. Seit der Machtübernahme Heinz-Christian Straches haben die Burschenschaften mehr als nur ein wesentliches Wort bei der Führung der Partei mitzureden. Experten schätzen den Anteil der Burschenschaften in der österreichischen Bevölkerung auf 0,05%, während sie eine Partei kontrollieren, die bei der letzten Nationalratswahl im Jahr 2008 auf 17,54% der Stimmen kam. Diese Minderheit kontrolliert (thematisch) eine überproportional große Partei. Nun steht die FPÖ allerdings vor dem Problem, dass Themen, die ihre eigene Kernwählerschicht besonders ansprechen, von einer Mehrheit im Land nicht unbedingt goutiert werden. Als Partei, die man aus Protest wählt, hatte die FPÖ durchaus Erfolg, aber zumeist bei jungen Männern. Frauen sprachen die Blauen nie besonders gut an. Bei dieser Nationalratswahl kann sich die Partei es allerdings nicht leisten, nur ihre Kernwählerschicht anzusprechen. Zu starke Konkurrenz hat man mit dem neuen Team Stronach bekommen, auf der anderen Seite werden die Grünen scheinbar immer stärker. Deren Anti-Korruptionskampagne spricht für sich.

Womit wir wieder bei der Kampagne der FPÖ wären. Um nicht bloß ihre Kernwählerschicht anzusprechen, griff die Parteizentrale auf ein Bild zurück, das Hr. Strache gern immer wieder bemüht hatte: Das Bild des Christentums, das die Freiheitlichen vertreten würden, manifestiert im Begriff der Nächstenliebe. Die Nächsten, wie könnte es auch anders sein, wären unsere Österreicher. Damit setzt die FPÖ verstärkt auf ein positives Bild, das von ihrem Spitzenkandidaten vermittelt werden soll. Was könnte auch positiver besetzt sein, als Liebe? Einerseits soll damit vermittelt werden, dass die Blauen durchaus wählbar wären und andererseits sollen durch diese Sujets wohl vor allem Frauen angesprochen werden. Das ist durchaus ein cleverer Versuch, die eigene Klientel auch auf Menschen weiblichen Geschlechts auszudehnen, dennoch zeigt dieses Plakat auf, welchen Stellenwert Frauen in der Ideologie der Freiheitlichen einnehmen. Man könnte immerhin auch auf ein anderes Schlagwort setzen, nicht zwingend Nächstenliebe. Aber dieser christliche Wert wurde nicht umsonst mit Frauen in Verbindung gesetzt, die Hrn. Strache auf dem Plakat ganz offensichtlich entgegenschmachten. Frauen sind in der FPÖ-Ideologie etwas Emotionales, sie sollen am Besten dem Mann dem Respekt zollen, der ihm gebührt. Auch optisch kommen die Damen auf den Plakaten der Freiheitlichen deren Ideal entgegen: Blond, züchtig, liebevoll.

Außerdem spricht die Kampagne der FPÖ rein optisch und teilweise auch inhaltlich eine gemäßigtere Sprache, im Vergleich zu vorhergehenden Kampagnen. So will auch Parteichef Strache sich nicht nachsagen lassen, einen Ausländerwahlkampf zu führen, vielmehr wäre er der leidenschaftliche Österreich-Vertreter. Das ist ein Positivwahlkampf, der zeigen soll, dass die FPÖ auch über die Kernwählerschicht hinaus wählbar ist.

Es mag sein, dass der FPÖ aufgrund der Gründung des Team Stronach viel an Protestwählerpotenzial abhanden gekommen ist. Es konkurrieren nun drei wirklich ernst zu nehmende Oppositionsparteien miteinander. Profitieren werden hiervon wohl die Grünen, die thematisch und optisch schlichtweg eine andere Zielgruppe ansprechen. Bemerkenswert ist allerdings auch, dass die anderen Parteien von der FPÖ nicht so heftig angegriffen werden, wie es sonst in Zeiten des Wahlkampfes eigentlich fast schon üblich ist. Das wirkt wie politische Schadensbegrenzung: bloß nicht sich selbst angreifbar machen. Denn die größten Angriffsflächen, welche die beiden Regierungsparteien bieten, wären einerseits diverse Korruptionsfälle und andererseits Inkompetenz. In beiden Fällen wäre der FPÖ mit Angriffen nicht gedient. Einer anderen Partei bliebe dann nur noch, auf die Korruptionsfälle mit FPÖ-Beteiligung hinzuweisen und zu fragen, warum Hr. Strache nicht selbst Konzepte für kompetentere Politik vorlegt.

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