Zwei Hechte gegen das System

Frank Stronach und Heinz-Christian Strache fischen in einem ähnlichen Wählerpool. In der ORF Konfrontation vom 12. September versuchten daher beide aufzuzeigen, wo sie denn jetzt aufzufinden sind, die großen Unterschiede zwischen Team Stronach und FPÖ. Nach knapp fünfundvierzig Minuten Diskussion war zumindest so viel klar: Der gelb-blaue Hund liegt im Detail.

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Wenn Heinz-Christian Strache, Spitzenkandidat der FPÖ, mit jenem Mann diskutiert, dessen Parteigründung Straches Weg zur Kanzlerschaft – zumindest fürs Erste – vereitelt hat, dann beginnt er leicht zu wippen. Kurze, knappe Bewegungen nach links und rechts; Strache fixiert Frank Stronach – viel mehr noch als der Magna-Gründer ist er im Angriffsmodus. Stronach hingegen strahlt in einigen Augenblicken beinahe großväterliche Milde aus. Seine Lieblingsphrasen (Politiker an Futtertrögen! 22 Funktionäre! Wirtschaft!) wiederholt Stronach zwar; den harschen „angry old man“ aus der Puls 4 Wahlarena spielt er diesmal aber nicht.

Eigentlich herrsche ja relativ oft Einigkeit am Diskussionstisch, merkt Moderatorin Ingrid Thurnher nach einiger Zeit an. Trotz des darauf folgenden Widerspruchs von Seiten der Diskutanten, gepaart mit dem Vorwurf Straches, Stronach würde ja Konzepte der FPÖ kopieren, kann man der Moderatorin nur zustimmen. In Punkten wie „Österreich-Euro“ (sprich: De-facto-Schilling), Förderung von Lehrberufen für die Jugend, EU- oder Gesundheitspolitik – da FPÖ und Team Stronach über weite Strecken dieselbe Klientel bedienen, ähneln sich auch ihre Lösungsansätze. Dies womöglich im Hinterkopf versucht Strache sich immer wieder als „den“ einzig wahren Vertreter des zu kurz gekommenen, ehrlich arbeitenden kleinen Mannes in Österreich zu inszenieren. Zu Beginn wirkt es noch, als wolle Strache Parteigründer Stronach nicht allzu stark diffamieren, schließlich hätte man dies indirekt als eine Beleidigung seiner eigenen Wählerschicht sehen können, frei nach dem Motto: „Ja merkt ihr es nicht, wenn der Dahergelaufene euch pflanzt?“

Nach wenigen Minuten ist davon nichts mehr zu spüren. Immer wieder versuchte Strache Frank Stronach als abgehoben – und noch schlimmer – als Teil des von beiden so vehement bekämpften Systems „Rot-Schwarz-Grün“ darzustellen. Straches Grundproblem in Bezug auf Stronach offenbart sich einmal mehr. Vor Stronachs Erscheinen in der österreichischen Parteienlandschaft war er noch der alleinige Platzhirsch in den Weiten von „Außerhalb-des-politischen-Systems“, nun muss er sich sein Plätzchen mit dem Magna-Gründer teilen. Und auch das FPÖ-Kernwählertum wird erkannt haben, dass man von viel mehr „außerhalb“ als Franks Kanada kaum kommen kann. Daher betont Strache seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen und seinen Bezug zu Wirtschaft und Unternehmertum – ein Gegensatz, in seinen Augen, zum „Oligarchen“ Stronach.

Dieser wiederum bleibt auch in der neuesten ORF Konfrontation so vage, wie man es von ihm gewohnt ist; nach klaren Antworten fragt Moderatorin Thurnher vergeblich. Wirtschaft ist wichtig, Verwaltungsabbau ist notwendig – seine Thesen bringt Stronach quer durch die Botanik an, unabhängig davon, ob sie nun so wirklich zum Diskussionsthema passen. Beizeiten kann Stronach sogar mit einem kleinen Anflug von Humor punkten. (Zugegebenermaßen: in seinen eigenen Reihen, denn die Parteifans in ihrer Rolle als permanent begeistertes Studiopublikum sind auch dieses Mal wieder anwesend und in Bestform.)

In manchen Punkten gibt es dann ja doch Unterschiede zwischen den Kontrahenten. Beim nur kurz angesprochenen Thema Zuwanderung – ein Kernthema der FPÖ – erweist sich Stronach als liberaler verglichen mit Strache, vor allem aufgrund seiner eigenen Erfahrungen als Auswanderer, wie es scheint. Mit Strache als Innenminister in Kanada wäre er wohl schwerer ins Land gekommen, mutmaßt Stronach.

Vor knapp über einem Jahr hatte Frank Stronach Heinz-Christian Strache wohlwollend als „Hecht“ bezeichnet, merkt Moderatorin Thurnher noch zu Beginn der Sendung an. Damals lag Stronachs Parteigründung in (relativ) weiter Ferne.
Jetzt sitzen sich Stronach und Strache gegenüber; vieles haben sie in politischer Hinsicht gemeinsam, selbst das Faible für nackte Oberkörper in Zeiten des Wahlkampfs. Entspannte Harmonie ist natürlich trotzdem nicht drinnen, wie die Diskussion zeigt. Dafür gibt es einfach zu viel Konkurrenz um einen Platz im System.

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