Farblos Orange

Das BZÖ ist angezählt. Keine einzige Umfrage sieht die Partei über der 4%-Hürde für den Einzug in den Nationalrat.

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Es sieht wahrlich nicht gut aus für Josef Bucher. Mit der Gründung des Team Stronach durch den österreichisch-kanadischen Milliardär Frank Stronach wurde das BZÖ nicht nur im Nationalrat personell geschwächt, sondern auch durch den größtenteils deckungsgleichen Programminhalt der beiden Parteien in eine Rechtfertigungsposition gezwungen. Wozu sind zwei Parteien mit fast identischen Programmen im Nationalrat? Wozu sollte jemand Josef Bucher und das BZÖ wählen, wenn man auch Frank Stronach seine Stimme geben kann – immerhin müsste dieser doch etwas richtig gemacht haben, bei seinem angehäuften Vermögen. Im Endeffekt reduziert sich hier alles auf die Frage Bucher oder Stronach?

Das BZÖ setzt sehr viel Vertrauen auf seinen Obmann, wie sonst ist es zu erklären, dass praktisch alle bekannten Gesichter der Partei in den Hintergrund treten? Aktuell sieht oder hört man vergleichsweise wenig von Personen wie Stefan Petzner oder Herbert Scheibner. Das mag unter anderem an der Form der BZÖ-Kampagne liegen, die Josef Bucher versucht als Kanzlerkandidaten zu positionieren. Ähnlich wie das Konterfei Werner Faymanns in der ersten SPÖ-Plakatwelle leuchtet jetzt Josef Bucher in einem satten Orange von den Werbewänden. Das hat den Sinn, den BZÖ-Spitzenkandidaten möglichst vital wirken zu lassen und soll wahrscheinlich auch eine Anspielung auf die Parteifarbe sein. Ersteres funktioniert ganz gut, denn vor dem blaugrünen Hintergrund fällt die bestenfalls ungewöhnliche Tönung Hrn. Buchers‘ Haut gar nicht so sehr auf. Gemeinsam mit der bewusst locker wirkenden Ausstrahlung, aber auch des versucht seriösen Auftretens versucht das Kampagnenteam des BZÖ einen Spagat, Hrn. Bucher als seriösen Politiker, aber auch als nicht zu steif und zu trocken darzustellen. Ergänzt wird das Sujet durch die Anspielung auf die sehr erfolgreiche Kampagne Barack Obamas – hier findet sich auch die übliche patriotische Anspielung, der rot-weiß-rote Regenbogen im Logo Josef Bucher 2013.

Das ist nicht ungeschickt gemacht, bedenkt man, dass Frank Stronach, der Hauptkonkurrent des BZÖ, nicht unbedingt als seriöser Politiker wahrgenommen wird. Viele (einem Artikel des Nachrichtenmagazins profil zufolge sind das etwa 66% der Österreicherinnen und Österreicher) wollen ihn nicht in wichtigen staatlichen Positionen sehen. Dennoch befindet sich das BZÖ hier in einer Zwickmühle, nämlich der, dass Josef Bucher von vielen als langweiliger, farbloser, weitgehend unbekannter Politiker wahrgenommen wird, der massive Konkurrenz durch sein faktisches Gegenteil bekommen hat. Frank Stronach ist keineswegs langweilig und farblos, mittlerweile dürfte auch fast jeder halbwegs Interessierte mitbekommen haben, wer er ist und wofür er steht. Man versucht hier, Hrn. Bucher als glaubwürdige, seriöse Gegenfigur zu Hrn. Stronach zu positionieren, was allerdings seine ohnehin schon langweilige Wirkung noch verstärkt.

Als Kontrapunkt zur seriösen Darstellung Hrn. Buchers dient – abgesehen von seinem bemüht lockeren Auftreten und der frischen Farbgebung – der BZÖ-Slogan Genug gezahlt!, den die Partei bereits sehr lange bemüht. Kombiniert wird dieser mit verschiedensten, populär-populistischen Forderungen, beispielsweise nach der Steuerbefreiung von Überstunden oder der Forderung nach einer Flat Tax. Das BZÖ versucht sich hauptsächlich an wirtschaftlichen Themen, wird aber auch nicht als Partei wahrgenommen, die tatsächlich Wirtschaftskompetenz besitzt. Diese Rolle übernimmt traditionell die ÖVP.

Alles in allem ist Josef Bucher nicht der richtige Konkurrent für Frank Stronach und auch kein Heilsbringer für das BZÖ. Trotz allem Zwangsoptimismus steht die Partei vor dem Aus – ihre Finanzierung läuft hauptsächlich über die Klubförderung des Bundes, Landesorganisationen existieren, abgesehen von Kärnten, nicht. Zieht das BZÖ nun nicht mehr in den Nationalrat ein, bedeutet das ihr faktisches Ende. Von einer Verzweiflungskampagne ist allerdings nichts zu merken, die Partei inszeniert Josef Bucher als jemanden, der durchaus das Potenzial besitzt, nächster Bundeskanzler zu werden. Dass sie die Partei damit tatsächlich in den Nationalrat bringen, ist fraglich.

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