Tafelkrieg

Tafeln gehören in österreichischen Diskussionssendungen mittlerweile zum Standardrepertoire. Frank Stronach und Eva Glawischnig „bekriegten“ sich mit Anschauungsmaterial.

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Eigentlich hätte sich die Debatte zu Beginn um die Regierungszusammenarbeit der Grünen mit dem Team Stronach in Salzburg drehen sollen und ob eine solche Zusammenarbeit auch auf Bundesebene möglich wäre. Insgesamt waren bloß wenige Minuten Sendezeit vergangen, als Frank Stronach das erste Infotäfelchen zückte und Eva Glawischnig auf den Kopf zusagte, dass sie nicht ehrlich wäre – als Jugendliche hätte sie, wie sie selbst gesagt hatte, Gäste beim Weinausschank betrogen. Die Parteiobfrau der Grünen konterte – ebenfalls mit Infotäfelchen. Auf den Bildern war Frank Stronach zu sehen, der – offenbar auf Druck des damaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider – ein Grundstück in bester Lage zu einem Spottpreis erwarb. Mit der Frage, ob es sich dabei noch um Freunderlwirtschaft oder bereits um Korruption handele, brachte Fr. Glawischnig das Ziel der beiden Parteiobleute in dieser Debatte auf den Punkt.

„Also das ist alles andere als ehrlich und alles andere als fair und alles andere als transparent gewesen.“
Eva Glawischnig

Da sowohl die Grünen als auch das Team Stronach einen Anti-Korruptionswahlkampf führen, müssen sie beide den Wählerinnen und Wählern vermitteln, warum gerade ihre Partei besser dafür geeignet ist, Korruption im Land zu bekämpfen. Was läge näher, als zu versuchen, dem jeweils anderen selbst Korruptionsaffären zu unterstellen, um ihm die Glaubwürdigkeit abzusprechen? Fr. Glawischnigs Partei hat hierbei den Vorteil, dass sie sich schon über einen längeren Zeitraum im Nationalrat gegen Korruption engagiert hat, das Team Stronach allerdings erst gegründet wurde und damit noch keine Gelegenheit zur Korruptionsbekämpfung auf politischer Ebene hatte. In der Konfrontation mit Frank Stronach lieferte allerdings die grüne Obfrau diesbezüglich die wesentlich glaubhaftere Performance. Eva Glawischnig Betrug zu unterstellen, weil sie Gäste im Wirtshaus beim Weinausschank belogen hatte, ist gewagt. Vor allem könnten die Zuseherinnen und Zuseher das als harmlose Anekdote, möglicherweise als Jugendsünde sehen. Sachpolitisch ist das jedenfalls nicht relevant. Im Gegenzug dazu konterte Fr. Glawischnig mit der Bekanntschaft des Milliardärs mit Jörg Haider. Indirekt brachte sie ihn also mit allen Korruptionsaffären des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns in Verbindung.

„Ich versteh‘ Sie schon, aber Sie verstehen die Wirtschaft nicht!“
Frank Stronach

Dann schlug auch schon die Stunde der Wirtschaft – und damit die des österreichisch-kanadischen Milliardärs. Während Eva Glawischnig betonte, dass die grüne Aufdeckertätigkeit sehr viel an Wirtschaftskompetenz erfordere, die grüne Regierungsbeteiligung in Oberösterreich lobte und Frank Stronach, aufgrund dessen Forderung nach einem Euro-Austritt, Exportfeindlichkeit unterstellte, wiederholte er, was er in bisherigen Debatten zuvor bereits gesagt hatte. Vier Milliarden habe er in Österreich investiert, 13.000 Arbeitsplätze habe er geschaffen – trotz eines wirtschaftsfeindlichen Standortes. Auf die Nachfrage Ingrid Thurnhers, was für ihn wichtiger sei, nämlich Umweltschutz oder Arbeitsplätze, zückte er Anschauungsmaterial. Einerseits eine Broschüre, die seine Partei gemeinsam mit Nobelpreisträgern erstellt hätte und andererseits ein Täfelchen mit Zahlen, die zeigen sollten, welchen Haftungen die Grünen bei der Debatte über den Beschluss des ESM zugestimmt hatten.

„Ich glaube, dass jeder Sager Frank Stronachs die Grün-WählerInnen eher enger an die Grünen binden wird, als dass es hier potenzielle Wechselwähler geben kann.“
Rudi Fußi

Die Debatte zwischen Fr. Glawischnig und Hrn. Stronach verlief nicht sonderlich überraschend. Während die Obfrau der Grünen – wie in vorigen Debatten auch – versuchte, mit Zahlen und Fakten, Kompetenz und Inhalten zu punkten, lieferte der Milliardär seine übliche Show ab. Diese Haltung ist nicht sonderlich überraschend, überschneiden sich deren Wählerschichten doch kaum, einzig und allein im Thema Korruption ist ihnen gemein überschneiden sich ihre Wahlkämpfe tatsächlich. Dass sie sich dahingehend angriffen, habe ich oben bereits erwähnt. Ansonsten diente die Debatte hauptsächlich dazu, ihre eigenen Wählerinnen und Wähler enger an sich zu binden, sowie bestimmte Gruppen deutlicher anzusprechen. Im Falle Frank Stronachs besonders die Pensionistinnen und Pensionisten, im Falle Eva Glawischnigs insbesondere die Frauen. Beide bekamen die Gelegenheit dazu, ihre Positionen zu relativieren, auch waren teilweise gewagte Themenwechsel mehr Regel als Ausnahme.

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