Irgendwo, zwischen Motor und Bremse

Vor allem die skurrilen TV-Auftritte Frank Stronachs beschäftigen Publikum wie Journalisten. Genau diese Auftritte kosten ihn Stimmen.

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Zehn Prozent, das ist die magische Zahl. Auf ungefähr zehn Prozent dürfte das Team Stronach bei der Nationalratswahl 2013 kommen. Das bedeutet nicht nur den Einzug ins Parlament, sondern möglicherweise auch die Beteiligung an einer Dreierkoalition, gemeinsam mit ÖVP und FPÖ. Wie groß die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario ist und darüber hinaus, welche Rolle die Partei Frank Stronachs in einer solchen Regierung spielen wird, hängt im Wesentlichen von deren letztendlicher Stärke ab. Schenkt man aktuellen Umfragen Vertrauen, liegt das Team Stronach zwischen sechs und zehn Prozent. Sechs Prozent bedeutet, die Partei ist bloß Erfüllungsgehilfe von schwarz-blau. Zehn Prozent bedeutet, die Partei hat ein gewichtiges Wort in der Koalition mitzureden. So oder so: Das Team Stronach und insbesondere sein Gründer, haben einiges von ihrer Popularität, ihrem Schwung und vor allem von ihrem Reiz, gewählt zu werden, verloren.

Der Grund für diesen Umschwung liegt in den TV-Auftritten des österreichisch-kanadischen Industriellen. „Du verstehst nix von der Wirtschaft“, „Jetzt pass amal auf“ oder „Ihr müssts alle einmal Wirtschaftskurse belegen“ sind Zusehern von Fernsehdebatten, an denen Frank Stronach teilgenommen hat, durchaus geläufig. Diese kommen bei den Wählerinnen und Wählern alles in allem gar nicht gut an; so meinen einer profil-Umfrage zufolge 64% der Österreicherinnen und Österreicher, dass seine Auftritte dem Milliardär und Parteigründer geschadet hätten, gar 66% wollen ihn nicht in wichtigen staatlichen Funktionen sehen. Für die Partei ist Hr. Stronach also gleichzeitig Zugpferd sowie Ausbremser. Einen solchen unzuverlässigen Parteiobmann zu haben, hat auch seinen Preis: neben Puls 4 verzichtet jetzt auch ATV in der Diskussionssendung Meine Wahl als zweiter Fernsehsender auf einen Auftritt Frank Stronachs.

Die Wahlkampagne des Team Stronach illustriert eindeutig die Abhängigkeit der Partei von ihrem Gründer und somit auch ihr Dilemma. Schadet sich der Milliardär nämlich mit seinen skurrilen Auftritten und unüberlegten Äußerungen (allen voran die Forderung nach der Todesstrafe für Berufskiller) selbst, schadet er ebenfalls der Partei. Würde sich Hr. Stronach völlig überraschend dazu entschließen, der Politik den Rücken zu kehren, müsste sich die Partei wahrscheinlich auflösen – neben Frank Stronach selbst sind bloß noch Robert Lugar oder Kathrin Nachbaur einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Einen tatsächlichen Ersatz für ihn gibt es nicht. Er ist die Partei. Genauso zeigen es deren Wahlplakate, die praktisch auf alles verzichten: Parteilogo, lange Textpassagen oder Slogans. Zwei Worte reichen, mehr muss für die Partei auch nicht sein. Während auch bei anderen Parteien nicht unbedingt mehrere Personen im Vordergrund stehen, so wird hier überdeutlich gemacht, dass es bloß einen gibt.

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Bemerkenswert ist, dass Hr. Stronach eine Pose gewählt hat, die auf Wahlwerbeplakaten doch sehr selten zu sehen ist. Während der offene Hemdkragen bereits Standard zu sein scheint, sind verschränkte Arme ein Novum in der politischen Geste. Kein Wunder, wirkt der Kandidat oder die Kandidatin dadurch in der Regel bloß verkrampft oder distanziert. Hier scheint es, als solle Zuverlässigkeit und Hemdsärmeligkeit suggeriert werden. Ähnlich wird Hr. Stronach auch in seinen TV-Spots in Szene gesetzt. Im Gegensatz zu den Plakaten steht der Milliardär allerdings nicht im Vordergrund, vielmehr wird versucht zu zeigen, wie Österreich hinter verschlossenen Türen regiert würde. Dennoch: Wie aus dem Licht kommend oder erleuchtet wurde Hr. Stronach vor einem hellen Hintergrund abgefilmt.

Die gesamte Werbelinie auf Bundesebene des Team Stronach ist gleich. Knapp eine Woche vor der Wahl hat man allerdings noch eine Plakatserie affichiert, die auf negative campaigning setzt. Es solle das rot-grüne Chaos verhindert oder der Stillstand aufgehoben werden. Natürlich kombiniert mit Hrn. Stronachs Konterfei, das beinahe erleuchtet wirkend nach oben, in die Zukunft blickt. Umso ärgerlicher für den Teamgründer, dass diese Zukunft wahrscheinlich nicht im zehnprozentigen Bereich liegen wird.

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