Blut im Wasser

Ist Russlands Vorgehen auf der Krim eine Konsequenz des allmählichen Niedergangs der US-amerikanischen Hegemonie?

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Wladimir Putin mag Gründe für sein Vorgehen auf der Halbinsel Krim haben. Welcher Art diese auch immer seien, Russlands Politik gegenüber der Ukraine ist völkerrechtswidrig. Hier geht es aber nicht darum, inwiefern und gegen welche Normen Russland verstoßen hat. Menschen verstoßen immer wieder gegen Gesetze, da sie der Meinung sind, damit davonkommen zu können oder die Konsequenzen für sie durchaus als tragbar erscheinen. Analog dazu kann man fragen, warum der russische Präsident glaubt, dass die internationale Gemeinschaft entweder gar nicht reagiert oder deren Reaktion für Russland tragbar wäre. Die Antwort auf diese Frage besteht aus zwei Teilen und unter Einbeziehung einer weiteren, weitreichenden Frage.

Hängt die russische Krim-Politik mit dem allmählichen Niedergang der US-amerikanischen Hegemonie, der Weltmacht USA, zusammen? Ich habe zu diesem Thema bereits Überlegungen angestellt. Manche Autoren und Kommentatoren sehen das Ende der Pax Americana bereits in greifbarer Nähe, die Ordnung der Welt, wie wir sie kennen, werde vielleicht nicht mehr lange bestehen bleiben. Will man dieses Konzept auf eine konkrete Politik gegenüber anderen Staaten (in unserem Fall Russland) umlegen, muss man viel konkreter mit dessen Dimensionen arbeiten. Ich konzentriere mich hier auf zwei: Militär und Wirtschaft.

Militär

Dass der Konflikt um die Krim nicht militärisch gelöst werden würde, musste seit dessen Beginn klar gewesen sein. Das ist allerdings keine Konsequenz des Verlusts der Hegemonie durch die USA. Es kann kaum überraschen, dass die USA und die NATO vor einem tatsächlichen militärischen Konflikt mit Russland riskieren wollen, selbst wenn dieser die einzige Möglichkeit zur Erhaltung der nationalen Einheit der Ukraine darstellen würde. Die militärischen Kapazitäten der Vereinigten Staaten, wie ich bereits dargestellt habe, mögen quantitativ reduziert werden, qualitativ mögen sie dennoch auf gleichem Niveau bleiben. Überdies konnte Wladimir Putin nicht mit schwachen militärischen Kapazitäten der USA rechnen, derzeit beginnt der langsame Abbau der Streitkräfte erst.

Die militärischen Kapazitäten der Vereinigten Staaten stellen keinen wirklichen Indikator für Wladimir Putins Krim-Politik dar. Selbst bei gleich bleibenden militärischen Fähigkeiten der US-Streitkräften bliebe ein bewaffneter Konflikt unwahrscheinlich, das Militär ist also kein Indikator für die Auswirkungen des allmählichen Verlusts der US-amerikanischen Hegemonie. Der Kreml konnte von Beginn an relativ sicher sein, dass der Konflikt nicht derart eskalieren würde.

Ökonomie

Womit wir bei der zweiten Dimension, der Wirtschaft, wären. Hier scheint der hegemoniale Status der Vereinigten Staaten noch recht unangetastet, der Dollar ist immer noch die globale Leitwährung. Zwar ist die US-Wirtschaft nach der Finanzkrise geschwächt und die meisten Auslandsschulden der USA befinden sich in chinesischer Hand. Es besteht also kein direkter ökonomischer Konflikt mit Russland, das sich vor allem auf Öl- und Gasexporte stützt. Wirtschaftliche Sanktionen der USA würden also ob kurz oder lang als einzige Form der Sanktion bestehen bleiben, denn das russische Gas wird vor allem in die EU geliefert. Das bedeutet allerdings, dass europäische Sanktionen auf die EU-Staaten zurückfallen werden, wenn die Energiepreise steigen – die Frage hier ist, wie lange die EU dies aufrecht erhalten können wird.

Um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen: Ist die russische Politik gegenüber der Ukraine eine Konsequenz des Niedergangs US-amerikanischer Hegemonie? Wahrscheinlich ist sie das nicht. Russland weiß ganz genau, dass die USA Sanktionen viel eher als die EU durchhalten werden und dass ein militärischer Konflikt von vornherein unwahrscheinlich war.

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