Die letzte Supermacht

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verblieben die Vereinigten Staaten als letzte Supermacht des Planeten. Wie lange werden sie ihre hegemoniale Stellung noch behaupten können – und was kommt danach?

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Am 11. September 1991 fasste der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush, die Entwicklungen der vergangenen Jahre in einer Rede zusammen: Die Welt war gerade dabei, neu geordnet zu werden, ihre Kraftverhältnisse verschoben sich fundamental. Die internationale Gemeinschaft stünde vor einer New World Order. Damit hatte Bush völlig recht. Der Zerfall der Sowjetunion und das Ende des seit fast vier Jahrzehnten andauernden Ost-West-Konflikts brachten einen Wandel in den internationalen Beziehungen mit sich. Die internationale Gemeinschaft entwickelte sich von einer in zwei miteinander konkurrierenden Blöcken geteilten Welt zu einer multipolaren Welt, in welcher der US-amerikanische Kapitalismus und der American Way of Life scheinbar zu dominieren begannen.

Befanden sich die USA nach dem Zusammenbruch der UdSSR in einem Zustand der nahezu unhinterfragbaren Vormachtstellung, so wird diese heute immer mehr in Zweifel gezogen, so sie denn überhaupt noch vorhanden ist. Denn die Komplexität der multipolaren Welt hat nicht abgenommen, im Gegenteil. Zudem steht die internationale Gemeinschaft vor neuen Herausforderungen, zum Beispiel der sich sehr stark verändernden Natur des Konflikts per se. Kriege zwischen Nationalstaaten scheinen kaum noch Relevanz zu besitzen, vielmehr sind intrastaatliche Konflikte die größten Herausforderungen im Völkerrecht. Die Konfliktlinien laufen nun nicht mehr (nur) zwingend Entlang von Achsen, sondern besonders nach Partikularinteressen.

Überdies sind mittlerweile andere Staaten ökonomisch und militärisch in der Position, die unbedingte Vormachtstellung der Vereinigten Staaten anzuzweifeln. Hier ist vor allem China zu nennen, das sein Militärbudget im Jahr 2014 um satte 12,2% gegenüber dem Vorjahr auf 800 Mrd. Yuan (95 Mrd. Euro) erhöht hat. Damit hat die Volksrepublik nach den USA das höchste Militärbudget. Investiert werden sollte vor allem in hochtechnologische Waffensysteme. Es ist vor allem in diesem Kontext bemerkenswert, dass das Pentagon das Militärbudget der USA kürzen will und aus Washington selbst der Ruf ertönt, teure Kriege (wie den Krieg in Afghanistan und im Irak) zu unterlassen. Auch die US-amerikanische Bevölkerung scheint immer mehr den Rückzug aus der Rolle der Weltpolizei zu befürworten.

Dies wirft eine Reihe von Fragen auf. Die wichtigste allerdings lautet, ob sich die USA nunmehr endgültig von ihrer Rolle als ordnungsstiftende Macht – wenn man diese so bezeichnen will – zurückziehen. Angesichts der Bedeutungslosigkeit des Völkerbundes ohne die Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten scheint dies eine legitime Befürchtung zu sein, führt man sich jedoch die wachsende Bedeutung anderer Staaten im UN-Sicherheitsrat vor Augen (beispielsweise mit den französischen Militäreinsätzen in Nord- und Westafrika) und generell die sich wandelnde Natur des Konflikts per se, scheint eine Verringerung des US-Militärbudgets bloß eine logische Konsequenz der Tatsache zu sein, dass nicht in erster Linie Truppenstärke der Garant für erfolgreiche Militäreinsätze darstellt, sondern vielmehr Technologie.

Die Vereinigten Staaten mögen also ihre Truppenstärke auf ein Niveau vor dem Zweiten Weltkrieg absenken, solange ausgefeilte Militärtechnik in den Händen des US-Militärs verbleibt, wird sich qualitativ an den Möglichkeiten Washingtons nicht viel verändern. Zudem habe ich oben bereits die sich verändernde Natur des Konflikts dargestellt: Die Antwort der Staatengemeinschaft kann nicht so verbleiben, wie bisher. Eine Weiterentwicklung der Möglichkeiten des bewaffneten Kampfes scheint unumgänglich. (Nun steht die Frage im Raum, ob bewaffneter Kampf eine Zukunft hat. Angesichts der Möglichkeiten der Kriegsführung heutzutage und der Konfliktherde, scheint das Militär trotz allem Hochkonjunktur zu haben. Geschossen wird also immer.)

Die militärische Stellung der Vereinigten Staaten scheint im Moment noch unangefochten. Bis die chinesischen Streitkräfte auf Augenhöhe mit den amerikanischen sind wird noch einige Zeit vergehen und die anderen Großmächte (auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Falls man das sagen möchte) sind ebenfalls kaum große Konkurrenz für die USA, trotz der Sparprogramme unter Leon Panetta und Chuck Hagel.

Was die Vereinigten Staaten allerdings ungemein erfolgreich in ihrer Rolle als Weltmacht machte, war ihre Hegemonie in verschiedenen Bereichen, unabhängig von militärischer Stärke: Konsum, Wirtschaft, Kultur. Wenn also die wirtschaftliche Kraft der USA bezogen auf den erfolgreichen Export von Marken bzw. Konsumgütern bestehen bleibt, ist Rüstung nicht zwangsweise das wichtigste Element in der globalen Dominanz. Zudem stellt sich angesichts der katastrophalen Kriege in Vietnam und dem Irak die Frage nach dem Sinn und der Möglichkeit militärischer Überlegenheit.

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