Hundert Tage Tod

Vor genau zwanzig Jahren begann der Völkermord in Rwanda. Das einhundert Tage lang andauernde Morden forderte zwischen achthunderttausend und einer Million Todesopfer.

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Um 20:30 stürzt die Präsidentenmaschine von Juvénal Habyarimana über der rwandischen Hauptstadt Kigali ab: Eine Boden-Luft-Rakete trifft die Dassault Falcon 50, keiner der Passagiere überlebt. Dieses Attentat bildet die Initialzündung des Genozids, der einhundert Tage lang, von April bis mitte Juli 1994 andauert. Dieser Völkermord darf allerdings nicht als isoliertes Ereignis betrachtet werden: Dessen Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert, als der europäische Kolonialismus seinen Anfang nahm, zurück, die Nachwirkungen des Genozids sind auch noch heute spürbar – vor allem in den diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Rwanda.

Von der Hauptstadt Kigali aus begannen die Milizen Interahamwe und Impuzamugambi sowie Angehörige von Polizei und Militär damit, Tutsi und moderate Hutu zu suchen – die Basis dieses Unterfangens bildeten Todeslisten, die im Vorfeld des Völkermords erstellt worden waren. Tutsi, wenn sie nicht aus dem Land flohen, massiven Widerstand leisteten oder sich verstecken konnten – vielfach in der Nähe von internationalen Beobachtern – wurden grausam hingemetzelt. Nachdem die internationale Gemeinschaft und hier im Besonderen der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen – in dem Rwanda zur Zeit des Genozids sogar einen Sitz hatte – untätig blieb, hörten die Gräueltaten erst auf, wenn die Rebellenarmee der Rwandan Patriotic Front die Kontrolle über ein Gebiet erlangt hatte.

Welcher Art aber sind die Konsequenzen, welche die internationale Gemeinschaft aus den Massakern gezogen hat? Gibt es überhaupt Konsequenzen für die Staatengemeinschaft? Zwischen Frankreich und Rwanda wurden über einen langen Zeitraum Konsequenzen gezogen: die beiden Staaten nahmen erst wieder im Jahr 2010 diplomatische Beziehungen auf, die allerdings nicht besonders einfach sind. Nach einer Äußerung des rwandischen Präsidenten Paul Kagame, wonach Frankreich mitverantwortlich am Genozid gewesen sei, weigerte man sich in Paris, zur offiziellen Gedenkveranstaltung zu fliegen. Auch heute noch leben geflohene Génocidaires offen und der Justiz namentlich bekannt in Frankreich.

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