Retter im April

Der Völkermord in Rwanda kostete zwischen achthunderttausend und einer Million Menschen das Leben. Der Widerstand einiger Weniger rettete Tausenden das Leben.

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Das Morden beginnt am 6. April 1994, um 20:30 Uhr, in der Hauptstadt Kigali. Bewaffnete Milizen suchen und ermorden gezielt Tutsi sowie moderate Hutu, bevorzugterweise mit Macheten. Die prinzipiell bei der Ernte gebräuchlichen Werkzeuge waren zuvor im großen Stil nach Rwanda importiert worden. Bewaffnete Männer sperren Straßen, dringen in Häuser ein, ermorden Menschen. All das geschieht unter Mithilfe von Polizei und Militär und markiert den Beginn einer Gewaltwelle, die einhundert Tage lang andauert. Zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen haben keine Chance, sie fallen den Génocidaires zum Opfer.

Die Geschichte des Völkermords von Rwanda ist eine Geschichte voller Grausamkeiten, Schrecken und Horror. Wie sonst könnte man Berichte von unzähligen Leichen, die auf der Straße und in Häusern liegen, langsam verfaulend, als Nahrung für wilde Hunde, nennen? Dennoch gibt es in dieser Geschichte auch Menschen, die ihre Positionen erfolgreich ausnutzen konnten und ihr Leben riskierten, um tausende Personen zu retten. Jede einzelne ihrer Geschichten zeigt, dass ein Völkermord etwas ist, das ohne den Willen einiger weniger nicht konzertiert worden wäre und so nicht stattgefunden hätte.

Paul Rusesabagina

Lecture by Paul Rusesabagina, as part of the IPC commemoration of the 20th anniversary of the Rwandan Genocide

Der wohl bekannteste Lebensretter während des Genozids in Rwanda ist Paul Rusesabagina, der ehemalige Leiter des Hôtel des Mille Collines. Der Hotelier rettete in der Zeit zwischen April und Juli 1994 über eintausend Menschen, indem er sie im Hotel unterbrachte und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln einen Angriff der Milizen verhinderte. Seine internationale Bekanntheit verdankt er unter anderem dem Spielfilm Hotel Ruanda. Jüngste Kritik an Rusesabaginas Person stellt ihn allerdings nicht als Wohltäter dar, vielmehr habe er von den Flüchtlingen verlangt, Hotelrechnungen zu bezahlen, um sich so zu bereichern. Wer nicht bezahlen konnte, sei vor die Tür gesetzt worden. Rusesabagina selbst weist die Vorwürfe zurück – er habe nicht wissen können, dass die Gräueltaten so lange andauern würden und habe zu Beginn versucht, klassische Hotelstrukturen aufrecht zu erhalten.

Roméo Dallaire

Der kanadische General war zur Zeit des Genozids als Kommandant der UN-Mission für Rwanda in dem ostafrikanischen Staat eingesetzt. Das ursprüngliche Mandat der UNAMIR beschränkte Dallaires Handlungsspielraum massiv. So war es nicht erlaubt, Waffengewalt anzuwenden, es sei denn, zur Selbstverteidigung. Wenngleich der General seine Blauhelme nicht dazu einsetzen durfte, die Zivilbevölkerung zu retten, versuchte er dennoch, gesicherte Zonen in Kigali zu etablieren, in denen sich tausende Menschen verstecken konnten. Der Abzug der belgischen Soldaten erschwerte die Aufgabe stark, nichtsdestotrotz gehen diverse Schätzungen davon aus, dass Roméo Dallaire mit seinem Kommando bis zu 32.000 Personen gerettet hat. Auf die Frage, warum er im Land geblieben war, ohne die Gräueltaten beenden zu können, antwortete Dallaire, er wisse nicht genau, warum. Vielleicht habe er den Gedanken nicht ertragen können, zu verlieren, vielleicht wollte er alles genau beobachten, um später davon zu berichten, auf jeden Fall wollte er Menschen retten. Es erschien ihm unmenschlich, zu gehen.

Child Soldier Initiative

Gatsinzi & Rusatira

Oberst Marcel Gatsinzi und Oberst Léonidas Rusatira, zwei hochrangige Angehörige des rwandischen Militärs, versuchten nach dem Beginn des Genozids, das Morden zu unterbinden. Zu diesem Zweck verfassten sie ein Kommuniqué, in dem Roméo Dallaire gebeten wurde, ein Treffen zwischen Rusatira und Paul Kagame, dem Anführer der Rwandan Patriotic Front, zu organisieren. Unterzeichnet war es von den beiden und fünf weiteren Obersten sowie drei Oberstleutnants. In seinem Buch Shake Hands with the devil beschreibt Dallaire diesen Versuch als so gut wie wertlos, da jegliche politische Struktur im Land, auf der man hätte aufbauen können, zerstört worden war. Er sollte Recht behalten: Der Stabschef des rwandischen Militärs, Léonidas Rusatira, wurde abgesetzt, kaum, dass das Kommuniqué abgeschickt worden war. Ebenso wie alle anderen Offiziere, die es unterzeichnet hatten, wurden sie auf wenig einflussreiche Posten versetzt, an ihre Stellen traten extremistische Militärs. Rusatira wurde durch Augustin Bizimungu ersetzt. Wenngleich diese Männer es nicht schafften, den Völkermord aufzuhalten, gelang es doch einigen von ihnen, Tutsi die Flucht aus dem Land zu ermöglichen.

Uwizeye & Habyalimana

Die beiden Präfekten der Provinzen Gitarama und Butare, Fidèle Uwizeye und Jean-Baptiste Habyalimana, unterbanden nach dem Beginn der Massaker in Kigali alle Aktivitäten der Interahamwe und der Impuzamugambi in ihren Provinzen. Straftaten gegen Tutsi wurden streng bestraft, die Milizen wurden daran gehindert, in die Provinzen einzudringen. Nachdem die Regierung aus Kigali nach Gitarama floh, war es nicht mehr möglich, Morde zu verhindern, da sie von der Präsidentengarte, Militäreinheiten und Milizionären der Interahamwe begleitet wurde. Uwizeye floh daraufhin, im Jahr 1998 wurde er verhaftet. Sein weiterer Verbleib ist ungewiss. In Butare konnte sich Habyalimana ein paar Tage länger halten, bis zum 17. April 1994. Seine Absetzung wurde über das Radio verkündet, wenig später wurde er exekutiert. Wenige Tage nach der Amtsenthebung Habyalimanas löschten Milizionäre die Mehrheit der in Butare lebenden Tutsi aus.

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