Ding der Woche: Der Penis

Nicht erst seit Conchita Wurst fragt sich ganz Österreich, was es denn mit diesem ominösen Ding namens „Penis“ auf sich hat.

Diese Website wird nicht mehr aktualisiert. Sie finden neue Beiträge unter https://rjspoetta.at.

Es ist überaus erstaunlich: In ganz Österreich findet sich niemand, der einem etwas über ein ominöses, höchst mysteriöses Ding, das in letzter Zeit wie eine Chimäre in manchen Medien herumgeistert, erzählen kann. Den Gegenstand, wie die neugierigeren unter meinen Leserinnen und Lesern wissen werden, nennen Experten „Penis“. Man möchte meinen, entweder ist dies vielen Menschen tatsächlich unbekannt oder sie wollen nichts über dieses Ding wissen. Je mehr ich nämlich nachfragte und je mehr ich meinte, „Penis“ auf die Spur zu kommen, umso mehr scheint es mir eine lange Nase zu drehen. Ich suchte und suchte, aber überall stieß ich auf ratlose Gesichter und mehr als ein Mal schlug mir offene Feindseligkeit entgegen. „Sowas hamma då net“ schmetterte mir beispielsweise der Bürgermeister einer Gemeinde entgegen, deren Namen ich nicht „in des Indaneds“ schreiben soll. Offenbar will niemand mit diesem Gegenstand in Verbindung gebracht werden.

Weitere Nachforschungen führten mich schließlich zu einem Experten, was „Penis“ betrifft, der allerdings auch nicht genannt werden will. Zu geheimnisvoll sei das Ding, klärt er mich über die mir entgegengeschlagenen Feindseligkeiten auf. Zu großes öffentliches Interesse bestehe an der Geheimhaltung, würde ich weiter recherchieren oder würde auch nur ein klitzekleiner Hinweis auf seine Identität in meinen Artikel einfließen, brächte ich uns in ernst zu nehmende Gefahr. Vor wenigen Monaten, so verriet er mir, habe jemand genau die selben Nachforschungen über „Penis“ angestellt wie ich. Urplötzlich verschwand er, er habe nie wieder von ihm gehört.

Die Brisanz, welche diese zutage getragenen Rechercheergebnisse haben, verehrte Leserin, verehrter Leser, sollten mittlerweile offenkundig geworden sein. Offensichtlich haben höchste Stellen im Staat Interesse daran, „Penis“ geheim zu halten. Keinesfalls darf darüber gesprochen werden, davon, dieses Ding darzustellen, kann gar keine Rede sein. Ich sollte am Besten gleich vorausschicken, dass ich letztendlich leider nicht herausgefunden habe, was unter „Penis“ zu verstehen sein könnte. In gewissen Kreisen wird gemunkelt, dass es etwas mit Gesang zu tun hätte – weil Conchita Wurst offenbar im Besitz eines solchen Dings ist, wird sie offenbar von hohen Stellen dafür, dass sie daraus kein Geheimnis macht, gering geachtet.

Aus gut informierten Quellen habe ich erfahren, dass sich in nächster Zeit eine kleine Gruppe von Widerspenstigen gegen das Bildverbot des „Penis“, gegen dieses gesellschaftliche Tabu auflehnen wird. Angeblich wird eine Frau mit diesem Ding dargestellt werden. Sollten die falschen Leute erfahren, wo, wann und wer diese Plakate anbringen wird, rollen Köpfe. Und das ist kein Wortspiel: Der Nationalrat hat klammheimlich eine Sondersitzung anberaumt, um über die Wiedereinführung der Todesstrafe für „Penisdarstellung“ zu debattieren.

Was mich betrifft: Ich kann nicht glauben, dass noch nie jemand dieses Ding der Woche gesehen hat. Zumindest die Stellen ganz oben im Staat müssen wissen, was sie mit einer Omertà belegt haben. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass diese eiskalte Mauer des Schweigens nur darum errichtet wurde, die Kinder vor „Reizüberflutung“ zu schützen. Das ist allerdings unwahrscheinlich: Die meisten Informationen über „Penis“ – hauptsächlich Gerüchte, wohlgemerkt – stammen von Jugendlichen. Scheinbar ist der Anblick von „Penis“ vor allem für Erwachsene zu viel.

Advertisements

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s