Das saudische Spiel mit dem Feuer

Saudi-Arabien gilt als weltweit führender Sponsor sunnitisch-jihadistischer Terrorgruppen – und ebenfalls als wichtiger, strategischer Partner des Westens.

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Der Westen erachtet das absolutistische, wahhabitische Königreich Saudi-Arabien als wichtigen, strategischen Partner. Die Vereinigten Staaten sind immer noch größtenteils abhängig vom saudischen Erdöl, ebenso ist Riad einer der besten Kunden der Europäischen Union im Bezug auf Waffenexporte. Über die saudischen Geldflüsse im Nahen Osten lassen sich viele politische Entscheidungen nachvollziehen, so gut wie immer muss der saudisch-iranische Konflikt in der Politik der Region mitgedacht werden.

Umso bemerkenswerter ist es, dass dieser wichtige Player sunnitisch-salafitische und jihadistische Gruppen in der Region finanziell unterstützt. Der IS beispielsweise, der mittlerweile weite Landstriche im Irak und Syrien kontrolliert, finanzierte sich zunächst über Spenden vor allem aus Saudi-Arabien und Qatar. Mittlerweile ist diese Gruppe durch den Verkauf von Öl aus eroberten Ölgebieten des Irak und durch Lösegeldzahlungen weitgehend finanziell unabhängig, was in Riad zu Besorgnis führt. Aber noch viel bemerkenswerter ist, dass dies vom Westen schlicht hingenommen wird.

Zurückzuführen ist dies vor allem auf die iranisch-saudische „Erzfeindschaft“. Ruhollah Chomeini beispielsweise bezeichnete die Staatsform der Monarchie per se als „illegal“, was Riad naturgemäß nicht gefiel. Seither betreiben die beiden Staaten eine auf die Spitze getriebene „Der-Feind-meines-Feindes-ist-mein-Freund“-Politik – und nachdem sich der Iran auch gegen die USA bzw. gegen Israel stellt, findet sich Washington beinah natürlich aufseiten Saudi-Arabiens wieder. Gleichzeitig sind die USA immer noch von saudischem Erdöl abhängig.

Das bedeutet, dass alle Gruppen, die sich gegen Iran und dessen Verbündete, oder „Sympathisanten“ stellen, automatisch „Freunde“ des Königreichs sind und gesponsert werden. Dem entspricht auch die Tatsache, dass der Wahhabismus immer noch saudische Staatsdoktrin ist. Das bedeutet, salafitische Gruppen werden besonders gerne unterstützt – denn diese Ideologien sind prinzipiell deckungsgleich. Dass dies im Fall des IS keine besonders gute Idee war, bzw. dass Riad aufgrund dessen beeindruckenden und beängstigenden militärischen Fortschritte mittlerweile selbst in Bedrängnis gerät, zeigt sich unter anderem durch die saudischen Truppenaufmärsche entlang der irakischen Grenze.

Um diese Situation aufzubrechen bedarf es entweder völliger Unabhängigkeit des Westens vom Erdöl, was Saudi-Arabien wirtschaftlich einiges kosten würde, oder einen internen (demokratischen) Machtwechsel und vor allem ein Ende des Wahhabismus. Damit ist allerdings nicht vor dem Tod des gegenwärtigen Königs Abdullah zu rechnen, der übrigens seit dem 1. August 90 Jahre alt ist.

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