Den Nahost-Konflikt wird niemand gewinnen

Der Status Quo zwischen Israel und der Hamas wird auf Dauer nicht beibehalten werden können.

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Noch vor wenigen Tagen schien eine weitere Eskalation der Gewalt im Nahost-Konflikt unausweichlich. Mittlerweile haben sich Israel und die Hamas auf einen permanenten Waffenstillstand geeinigt. Zyniker würden jetzt fragen, wie lange denn „permanent“ dieses Mal dauern werde. Tatsächlich scheinen die Gewaltausbrüche in immer kürzeren Abständen zu erfolgen. Es dauert jedoch zumindest so lange, bis die Hamas ihre Raketenbestände wieder aufgefüllt hat. Etwas, das Israel unbedingt verhindern will und deshalb ein Handelsembargo über den Gazastreifen verhängt hat. Eine insgesamt recht verfahrene Situation, denn sobald Israel dieses Embargo aufhebt, ist zu erwarten, dass die Hamas so viele Raketen importiert, wie nur irgend möglich.

Das geschieht natürlich mit einem gewissen Kalkül. Würden die Islamisten nämlich anstatt Raketen tatsächlich Handel zugunsten der Wirtschaft des Gazastreifens treiben, würde der Nährboden für den Radikalismus der Hamas bis zu einem gewissen Grad wegbrechen. Natürlich, „Idealisten“ bzw. besser gesagt, ideologisch Verblendete, gäbe es weiterhin, die Israel das Existenzrecht absprechen wollen. Aber ökonomischer Wohlstand trägt sicherlich zur Prävention von Radikalismus bei. Gleichzeitig kann Israel (das ja das Handelsembargo verhängt hat) als für die schlechte wirtschaftliche Situation verantwortlich hingestellt werden. Beides sichert bis zu einem gewissen Grad die Existenz der Hamas.

Das erklärt teilweise, warum die Hamas Waffen in den Gazastreifen schmuggelt, obwohl sie weiß, dass Israel militärisch nicht beizukommen ist. Der andere Teil der Erklärung ist der, sich in gewissen Abständen in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zurückzuschießen. Im Moment liegt die Medienaufmerksamkeit ja vor allem in den Krisenherden in der Ukraine, in Syrien und im Irak. Zeitgleich hat die Hamas – ob bewusst oder nicht – Israel eine Falle gestellt, in welche man regelmäßig hineintappt.

Denn wie sollte man als Staat auch sonst auf Raketenbeschuss eines Nachbarstaates reagieren? Israel reagiert mit Luftschlägen und im weiteren Verlauf wird auch der Einsatz von Bodentruppen in den Raum gestellt. Das perfide Problem, vor dem die Hamas Jerusalem allerdings stellt, ist das Missbrauchen der palästinensischen Bevölkerung des Gazastreifens als menschliche Schutzschilde. Damit wird die Zahl ziviler Opfer maximiert – was wiederum der Hamas nützt. Aus zweierlei Gründen, denn so kann Israel einerseits als mörderischer Staat hingestellt werden und andererseits wird jeder Palästinenser, der Angehörige durch Angriffe der IDF verloren hat, eher mit der Hamas sympathisieren. Israel verliert also nicht nur den internationalen Medienkrieg, sondern auch den Gazastreifen an radikale Islamisten.

Letztlich gewinnen kann allerdings niemand, auch nicht die Hamas, denn nach den vergleichsweise kurzen Ausbrüchen der Gewalt bleibt man wieder beim Status Quo. Dass das keine endgültige Lösung ist, ist evident. Hier muss ich – zumindest teilweise – dem Journalisten Eric Frey zustimmen: So wie zuvor weiterzumachen ist kaum eine Option, allerdings muss man sich gleichzeitig fragen, wie es denn weitergehen kann. Was kann man an der verfahrenen politischen Situation ändern? Die einzige logische Option, die bleibt, um diesem Kreislauf zu entgehen, würde massive Hilfsprogramme für den Gazastreifen in konkreten Projekten bedeuten, um ihn wirtschaftlich aufzubauen und möglichst zu versuchen, der Hamas ihre Lebensgrundlage zu entziehen. Dennoch bleibt Israel ein Problem bestehen: Viele der Palästinenser, die im jetzigen Krieg Angehörige verloren haben, werden von einem friedlichen Leben mit Israel wohl kaum etwas wissen wollen.

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