Unterstützung für die Kurden – durch die Türkei?

Die syrischen Kurden brauchen im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ militärische Unterstützung. Kurioserweise könnten sie diese von der Türkei erhalten.

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Um eine „völkerrechtswidrige imperialistische US-Aggression“ gegen einen souveränen Staat handle es sich bei den Luftschlägen gegen den I.S. im Irak und in Syrien. Das titelte zumindest die Tageszeitung „taz“ in ihrer Ausgabe vom 24. September. Ganz sicher war ich mir nicht, dass es sich hierbei tatsächlich um Satire handelte, wie die „taz“ auf Twitter behauptete. Dennoch: Eine etwaige Diskussion über die Völkerrechtswidrigkeit solcher Militäraktionen zu führen, ist zwar immer wünschenswert, doch in diesem Fall handelt es sich nicht um den Versuch, US-amerikanische Interessen durchzusetzen. Die Vereinigten Staaten arbeiten immerhin mit den meisten Akteuren in dieser Region zusammen, die den „Islamischen Staat“ als gemeinsamen Feind betrachten.

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Selbst Bashar al-Assad kann sich über Luftangriffe gegen die Islamisten im Norden Syriens erfreut zeigen. Immerhin stellt der I.S. eine – militärisch starke – Gruppe dar, die gegen ihn im Syrischen Bürgerkrieg kämpft. Nichtsdestotrotz sind die Luftschläge der internationalen Gemeinschaft gegen Stellungen des „Kalifats“ meiner Meinung nach höchst notwendig.

Schutz der Zivilbevölkerung – durch die Kurden

Der I.S. ist für seine Brutalität und seine Grausamkeit gefürchtet. Wann immer sich die „Terrormiliz“, wie die Gruppe um Abu Bakr al-Bagdadi in westlichen Medien gerne genannt wird, einer Ortschaft nähert, flüchtet die Bevölkerung. Die Luftschläge allerdings sollen keinesfalls die Zivilbevölkerung des Irak und Syriens schützen. Dies mag zwar einen angenehmen Nebeneffekt darstellen, doch vorrangiges Ziel der von den USA und Großbritannien konzertierten Angriffe ist es, die irakische Regierung, die Türkei und auch Saudi-Arabien sowie Jordanien vor einem Angriff durch den I.S. zu schützen. Vor allem sollen dessen Versorgungslinien durchtrennt werden. Selbst saudische Truppen beteiligen sich mittlerweile an diesen Angriffen – obwohl der „Islamische Staat“ zuvor durch (private) finanzielle Zuwendungen aus dem Königreich und aus dem Emirat Qatar unterstützt worden war.

Gleichzeitig stellen die Luftangriffe eine Entlastung für die kurdischen Streitkräfte dar, wenngleich eine recht ineffiziente. Zwar müssen die Jihadisten langsamer vorrücken bzw. kommen ihre Vorstöße zum Stillstand, doch noch ziehen sie sich nicht zurück. Dies besitzt besonders in der nordsyrischen Stadt Kobanê eine gewisse Dringlichkeit, denn Kämpfer des I.S. sind nur noch etwa zwei Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Sollten sich die Versuche der Kurden, Kobanê zu verteidigen, als unwirksam herausstellen, sind etwa 100.000 Menschen diesem Terror ausgeliefert.

Bodentruppen im Irak und Syrien?

Das bedeutet, der Westen hat drei Handlungsoptionen, will er die Kurden in Syrien nicht ihrem Schicksal überlassen. Erstens: Er setzt die Luftschläge gegen den I.S. fort und hofft darauf, dass diese an Effektivität zunehmen. Zweitens: Die USA (oder ihre Alliierte) entsenden Bodentruppen in den Irak und Syrien – was sie nicht wollen, ansonsten hätte man den Syrischen Bürgerkrieg schon längst beenden können. Da Präsident Obama den Irak-Krieg erst beendet hat, und, dass es in der US-amerikanischen Bevölkerung höchst unpopulär ist, weiterhin die „Weltpolizei“ zu spielen, ist damit in nächster Zeit nicht zu rechnen.

Drittens: Der Westen bewaffnet, trainiert und unterstützt die kurdischen Soldaten logistisch. Eigentlich wäre dies eine praktikable Lösung, weder Washington noch London müssten sich übermäßig engagieren und der I.S. könnte von den Kurden viel effizienter bekämpft werden. Würde diese Vorgehensweise nicht den Interessen der Türkei diametral zuwiderlaufen. Denn sobald der Kampf gegen den I.S. vorbei ist, ist zu erwarten, dass die länger andauernden Konflikte in der Region wieder zum Vorschein kommen. Die türkische Regierung sähe es nicht gern, wären die Kurden besser bewaffnet und ausgebildet, trotz einer gewissen Entspannung in diesem Konflikt.

Es ist gewiss nicht gänzlich unberechtigt, dass Ankara in dieser Hinsicht zur Nervosität neigt. Nicht nur, dass sich die syrisch-kurdische P.Y.D. und die türkisch-kurdische P.K.K. zumindest ideologisch nahestehen, auch hat die Türkei eigentlich kein Interesse daran, dass sich der Konflikt mit den Kurden möglicherweise verschärft. Mit besseren Waffen und einer besseren Ausbildung wären diese überdies in einer weitaus besseren Verhandlungsposition als im Augenblick. Dies muss auch in Washington und vor allem in Brüssel zu denken geben. Immerhin ist die Türkei nicht nur NATO-Mitglied, und damit ein wichtiger strategischer Partner in der Region, sondern für die EU auch „Flüchtlingsregulativ“. Die Union hat großes Interesse daran, dass Ankara die Zahl syrischer Flüchtlinge niedrig hält, die über Anatolien nach Bulgarien oder Griechenland gelangen.

„Kompromiss“ Luftschlag?

Da der Westen weder selbst in Syrien bzw. im Irak intervenieren noch die Türkei vor den Kopf stoßen will, wird man sich aller Wahrscheinlichkeit nach dazu entschließen, die Luftschläge, quasi als eine Art „Kompromiss“, fortzusetzen. Effektiv stoppen können wird man den „Islamischen Staat“ damit nicht. Geplant ist wohl, dass die regionalen Mächte mit Bodentruppen gegen die Jihadisten vorgehen, wie auch der deutsche Islamwissenschafter Udo Steinbach im Interview mit der „Deutschen Welle“ verdeutlichte.

Auf diese Art und Weise ist wohl auch die Mobilisierung türkischer Armee-Einheiten an der syrischen Grenze zu werten. Da der I.S. in Syrien eine türkische Enklave, etwa 30 Kilometer südlich von Kobanê, umstellt hat, wird man in Ankara noch diese Woche über einen Einsatz von Bodentruppen in Syrien entscheiden. Diese liegen natürlich noch anderweitig im Interesse der Türkei: Die expansive Natur des I.S. sorgt für Besorgnis. Zudem versucht man wohl auf diese Weise zu verhindern, dass der Westen die kurdischen Kämpfer doch noch mit Waffenlieferungen unterstützt.

Sollte sich die Türkei für einen größeren Einsatz entscheiden, ist eine militärische Niederlage des I.S. bei den kurdischen Stellungen in Nordsyrien abzusehen. Das würde auch verhindern, dass mehr kurdische Flüchtlinge nach Anatolien gelangen und vorerst die syrisch-türkische Grenze sichern. Bei einem solchen Einsatz ist es allerdings wahrscheinlich, dass die Organisation von Abu Bakr al-Bagdadi nicht völlig zerschlagen wird, sondern sich gen Süden richtet – also in Richtung Jordaniens und Saudi-Arabiens.

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Ein Kommentar

  1. na ja…ein quasi Diktator wird wohl in erster Linie nur an die Unterdrückung seiner kurdischen Lieblingsfeinde denken, vor allem wenn man ihm jetzt Stealth Jäger, als 1. in Europa verkauft…ein Schelm, wer Erdogan nun zum Gefolgsmann zählen will…der baut nur weiter am „neuen Osmanischen Reich“, wie Putin an „Neurußland“…und Mutti an ihrem kleinen „Neuland“…inclusive eGK Patientenkarte mit Konzept aus 2006…*gg*
    schönen Tag noch von der Eider… 😉

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