Raison

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Der Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo am Mittwoch, dem 7. Jänner 2015 ist ein Anschlag auf die Pressefreiheit. Zwölf Menschen sind tot, zwei der drei Täter befinden sich zu diesem Zeitpunkt auf der Flucht. Dies sind die Fakten. Doch ein weiteres, wesentliches Faktum wird oftmals ausgeblendet. Es sind nicht so sehr Terroristen, die unsere grundlegenden Freiheiten bedrohen, wie in diversen Kommentaren, Tweets und auch Karikaturen suggeriert, wir sind es selbst. Wir selbst verdammen diesen Anschlag auf Charlie Hebdo, wir solidarisieren uns mit dem Magazin und den Französinnen und Franzosen. Dies ist auch momentan nicht der Zeitpunkt über die Qualität der Karikaturen von Charlie Hebdo, über deren Inhalte oder deren oftmaligen Rassismus zu debattieren. Momentan ist es  gut und richtig, sich einfach zu solidarisieren. Aber dabei vergessen manche, wie genau man die kostbare Freiheit verteidigt, indem sie sich nun in Tiraden ergehen über die Gefährlichkeit des Islam.

Beispielsweise die Facebook-Seite Verein Verein_Freunde_der_TagespolitikFreunde der Tagespolitik, die von einer „faschistischen Terrorideologie Islam“ sprechen, die behaupten, der Islam sei nicht mit „westlichen Werten“ (welche wären das?), mit Rechten für Homosexuelle und vielem mehr nicht vereinbar. Das ist es, das Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit untergräbt. Ebenso wie die jetzt stattfindenden Anschläge auf muslimische Einrichtungen in französischen Gemeinden. Ebenso, wie eine wahrscheinlich in Hinkunft geforderte Law-and-Order-Politik. Genauso wenig sinnvoll ist es, die Karikaturen von Charlie Hebdo jetzt auf diverse Titelseiten europäischer Medien zu bringen, wie es beispielsweise das Boulevardblatt Berliner Kurier getan hat.

Solche Aktionen schüren die Angst und die Feindseligkeit gegenüber Muslimen, die nichts getan haben, die zurecht nicht einmal einsehen, warum sie sich von solchen Grausamkeiten explizit distanzieren sollten – dies verlangt man immerhin auch nicht von weißen, christlichen Europäerinnen und Europäern im Hinblick auf Anschläge gegen Muslime oder in Fällen rechtsextremer Gewalt. Ich habe bereits auf Twitter versucht, zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, besonnen auf solche Akte barbarischer Gewalt zu reagieren, dies möchte ich hier noch einmal unterstreichen. Wir wissen weder genau, welchen Hintergrund die Täter haben, noch ist es nötig, zu verlangen, dass sich Muslime oder muslimische Organisationen von solchen Akten distanzieren: Sie selbst werden nämlich oft genug Opfer von barbarischen Gewaltakten. Halten wir nicht alle zusammen und uns selbst zurück, wird dies ein Verlust für uns alle sein.

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