Über die ÖH-Wahlen

Oder eine Geschichte von zerrütteten Nerven

Alle paar Jahre wieder, alle paar Jahre bin ich plötzlich wichtig. Ganz plötzlich reißen sie sich um mich, wie verhungernde Hunde um ein Stück Beiried. Alles klar: Es muss Wahl sein. 

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Nun, um fair zu bleiben: Vieles von dem, was die Österreichische Hochschüler_innenschaft für Studis so tut, mag den Universitätsalltag mehrheitlich peripher tangieren; Trotzdem ist sie die gesetzliche Interessenvertretung für Studentinnen und Studenten. Jedenfalls, man bemerkt es, dieses aus heiterem Himmel auftretende Interesse an der eigenen Person. Besonders zu spüren bekommt es der Posteingang.

Es ist geradezu quälend lästig.

Ja, es sind ÖH-Wahlen, mein Gott, wir haben es kapiert. Ist ja nicht so, als würde seit Wochen vor der Uni kein Wahlkampf geführt, als würde man keine Plakate sehen, sobald man sich dem Universitätsviertel zwischen Gürtel und Ring auf fünfzig Schritt nähert. Offenbar blieb der Öffentlichkeit dieses Jahr das unwürdige Schauspiel des Stehlens und Demolierens von Wahlplakaten, wie letztes, glorreiches Mal, erspart.

Eigentlich nervt es mich am wenigsten, wie die unterschiedlichen Fraktionen der ÖH für ihre Sicht der Universitäten werben. Die Aufdringlichkeit dieses Unterfangens allerdings ist erstaunlich, ebenso wie der mangelnde Realismus der manchmal geradezu haarsträubenden Forderungen. Nehmen wir als Beispiel die JUNOS, ganz einfach, weil mir hier die Forderungen prominent in Pink präsentiert wurden. Die jungen, liberalen Studierenden wollen ideologische Grabenkämpfe beenden und wollen, wirklich, wirklich, wirklich Studiengebühren einführen. Nun gut. Erstens: Wie genau beendet man als liberale Partei ideologische Grabenkämpfe zwischen linken und rechten Studentinnen und Studenten? Zweitens: Viel Glück damit, unter Studis damit zu werben, dass man Studiengebühren einführen will (was, nebenbei bemerkt, nicht dem Kompetenzbereich der ÖH unterliegt).

Genauso gut könnte man allerdings fragen, wie die GRAS oder der VSSTÖ mehr Studi-Jobs schaffen wollen, aber mit dem Unterschied, dass diese beiden Fraktionen die einzigen waren, die meinen Mailaccount geschont haben. Bei den GRAS weiß ich nicht, warum, der VSSTÖ dürfte noch nichts von Umwelt- und Ressourcenschonung mitbekommen haben, der nervt mich lieber mit Briefen.

Dazu Folgendes: Bitte hört schon auf mit dem Scheiß von wegen „Hochschule gestalten“. Was nützt es, wenn selbst die praktischsten und alltäglichsten Abläufe kaum funktionieren, weil die bürokratischen Anforderungen, die weder man selbst noch die Lehrveranstaltungsleiterinnen und -leiter kaum nachvollziehen können, stetig anwachsen? Was soll das, dass manche zuständigen Stellen mehr nach Lust und Laune als nach fachlichen Gesichtspunkten entscheiden, ob eine Lehrveranstaltung nun angerechnet wird oder nicht? Was soll das, dass manchen Studis von 45 ECTS, die nicht einmal im Ausland, sondern an einer österreichischen Hochschule absolviert wurden, nicht einmal die benötigten 30, sondern nur 29 anerkannt werden? Was soll das, dass man stets alles fristgerecht abzugeben hat, sich aber die LV-Leiterinnen und -leiter nicht an die Frist beim Eintragen von Noten halten und man dann mit diesem Problem allein gelassen wird? Die zuständigen Stellen beschwichtigen: Es werde nie wieder vorkommen. Aber klar.

Eines ist klar: Ich vertrete hier lediglich meine persönlichen Ansichten, die einen eingeschränkten Fokus aufweisen (nämlich den eines Politikwissenschaftsstudenten der Universität Wien), doch habe ich den Eindruck, dass diese Probleme generell an der Universität Wien existieren. Wie es an den anderen österreichischen Hochschulen aussieht, kann ich nicht beurteilen. Aber die ÖH-Fraktionen wären gut damit beraten, zu versuchen, diese Probleme zu beheben.

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