Die irakische Armee ist ein Scherbenhaufen

Die Vereinigten Staaten senden 450 Militärberater in den Irak, dies vermeldete am Mittwoch die BBC. Präsident Obama reagiert damit auf die offenkundige Unfähigkeit der irakischen Armee, effektiv gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ zu kämpfen. Dies wird dem Irak allerdings nicht helfen.

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Die irakische Armee hat eindrucksvoll gezeigt, wie es nicht geht: Etwa 800 Jihadisten des selbsternannten „Islamischen Staates“ schlugen 30.000 irakische Soldaten, welche die nordirakische Stadt Mosul verteidigen sollten, in die Flucht. Das Resultat ist bekannt: Mosul steht seit genau einem Jahr unter Kontrolle der Jihadisten, welche nicht nur die Stadt eroberten, sondern auch schwere Waffen und Ausrüstungsstücke der irakischen Streitkräfte unter Kontrolle bekamen. Der Fall Mosuls sorgt in der irakischen Innenpolitik immer noch für Zwist, so gilt der ehemalige Premier al-Maliki als der Hauptverantwortliche für den raschen Rückzug, dieser vermutet ein Komplott gegen seine Person.

US-amerikanische Offizielle vertreten die Ansicht, dass primär ein Mangel an militärischer Ausbildung verantwortlich für dieses Versagen der irakischen Armee ist, doch auch praktische Kampferfahrung sowie die Entlassung von erfahrenen (sunnitischen) Stabsoffizieren unter Maliki, der sie mit unerfahrenen, aber schiitischen Offizieren ersetzte, dürften eine weitere, wesentliche Rolle gespielt haben.

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Als Konsequenz dessen und in Reaktion auf die gegenwärtige Krise im Irak entsenden die Vereinigten Staaten nun 450 Militärberater in den Irak – zusätzlich zu dem US-amerikanischen Militärpersonal, das sich bereits jetzt im Land befindet und der irakischen Armee assistiert, in etwa 3.000 Mann. Darunter befinden sich auch Militärberater. Diese Ausbildungsprogramme der USA (die auch nach dem Abzug der Vereinigten Staaten 2011 fortgesetzt wurden, um die irakische Armee zu unterstützen) scheinen bisher kaum Wirkung zu zeigen. Die irakische Armee scheint weniger schlagkräftig als jemals zuvor, abgesehen davon, dass es nicht gelungen ist, die konfessionelle Spaltung – für die vor allem die Politik Nuri al-Malikis verantwortlich ist – zwischen Schiiten und Sunniten zu überwinden. Dabei wäre es essentiell, die sunnitischen Stämme in der östlichen Provinz al-Anbar in den Kampf gegen den I.S. einzubinden. Das werden aber zusätzliche Militärberater nicht erreichen, den al-Malikis Politik des zerstörten Vertrauens gegenüber den Sunniten lässt sich jetzt nicht einfach so kitten.

Darüber hinaus hat man es im Falle des da’esh nicht mit einer einfach zu besiegenden Terrorgruppe zu tun, im Gegenteil: die Jihadisten kämpfen militärisch-professionell und dürften darüber hinaus Verbindungen zu ehemaligen Baath-Offizieren haben, die sich nach dem Sturz Saddam Husseins und nach der Auflösung der irakischen Armee durch die Vereinigten Staaten (nebenbei bemerkt ein politisch überaus sinnloses Unterfangen) im Untergrund wiedergefunden haben.

Insgesamt bleiben den Vereinigten Staaten drei sinnvolle Handlungsoptionen, die einander nicht ausschließen: Erstens könnte man den Iran stärker in den Kampf gegen den I.S. einbinden und unterstützen. Im Falle des Irak teilen Washington und Teheran gemeinsame Interessen: Während der Iran den Irak stärker in seine Einflusssphäre einbinden will und deshalb die Regierung in Bagdad braucht, wollen sich die Vereinigten Staaten auf einen Verbündeten in der Region verlassen können. Zweitens sollten sich die USA von dem Gedanken verabschieden, man hätte im Irak einen guten Job gemacht, dieser wäre stabil und könnte sich selbst überlassen werden. Da’esh ist auch durch Luftschläge nicht zu besiegen, sondern ausschließlich durch Bodentruppen. Zwar wäre es ein Eingeständnis des eigenen Versagens, erneut Truppen in den Irak zu schicken, dies ist mittlerweile allerdings ohnehin ein offenes Geheimnis.

Drittens – und dies ist wohl einer der wichtigsten Punkte – ist es unbedingt erforderlich, die sunnitischen Stämme der Provinz al-Anbar ernsthaft in den Kampf gegen den I.S. mit einzubinden, um diesen strategisch zu schwächen. Dies würde wesentlich mehr zum militärischen Erfolg gegen die Jihadisten beitragen, als lediglich 450 zusätzliche Militärberater.

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Asrar, Shakeeb (2015): A year after Mosul: ISIL still standing

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