Saudi-Arabien könnte sich im Jemen überheben

Sollte Saudi-Arabien im Jemen tatsächlich eine Bodenoffensive starten, könnte dies das wahhabitische Königreich ökonomisch und militärisch überfordern. Dies hätte dramatische Konsequenzen, nicht nur für die Golfregion, sondern für den gesamten arabischen Raum.

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Sollte die von Saudi-Arabien angeführte Militärintervention im Jemen einen einzigen Effekt haben, dann den, die jemenitische Bevölkerung gegen ihren nördlichen Nachbarn aufzubringen. Egal, wie viel Unterstützung die zaiditischen Huthi-Rebellen nun tatsächlich vom Iran erhalten – wird das saudische Bombardement weitergehen, wird das die Jemeniten allzu bald dazu bringen, die Huthis zu unterstützen und umso leichter wird es für Teheran, Kapital daraus zu schlagen. Vor allem angesichts der Tatsache, dass es im Jemen gegenwärtig praktisch an allem mangelt – an Nahrungsmitteln, sauberem und leistbarem Trinkwasser, medizinischer Versorgung.

Gleichwohl unterstützen die Vereinigten Staaten die von Saudi-Arabien angeführte Intervention im Jemen logistisch und mit umfangreichen geheimdienstlichen Informationen. Das ist ein Fehler: Nicht nur, dass die Rolle Saudi-Arabiens und dessen Finanzierung von extremistischen, militant salafitischen Gruppierungen in der Region generell hinterfragt werden sollte; beim Konflikt im Jemen handelt es sich vor allem um einen sozioökonomischen Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden des Landes. Zudem findet dieser klar innerhalb der jemenitischen Staatsgrenzen statt.

Der internationalen Gemeinschaft muss klar sein, dass diese von Saudi-Arabien angeführte Intervention den Jemen nicht stabilisieren wird, im Gegenteil. Riad erachtet die Huthis als Bedrohung, sowohl für seine Hegemonie auf der arabischen Halbinsel als auch für die Stabilität seiner absoluten Monarchie; darüber hinaus hatte die Regierung, auf die sich der Golf-Kooperationsrat und der Jemen einigen konnten, keinen Bestand. Nachdem die Huthis die Hauptstadt, Sana’a, erobern konnten, floh der Präsident Abd Mansur Hadi nach Aden. Saudi-Arabien also versucht, seine eigenen Interessen zu wahren, die in diesem Fall aus zweierlei Teilen bestehen.

Erstens hält die Intervention kurzfristig gesehen die Huthi-Rebellen von der saudischen Südgrenze fern. Zweitens, längerfristig betrachtet, hat die Intervention bereits gezeigt, dass Saudi-Arabien einen gewissen Führungsanspruch innerhalb der arabisch-sunnitischen Welt umzusetzen vermag, auch wenn die Golfmonarchien seit den Umbrüchen des „Arabischen Frühlings“ Revolutionen und Umstürze in ihren eigenen Staaten befürchten, was wiederum ihre Außenpolitik stark beeinflusst. Der bisher vergleichsweise instabile Golf-Kooperationsrat handelt im Fall des Jemen so, wie es sich Riad wünscht. Diese Vorgehensweise birgt allerdings auch Gefahren: Saudi-Arabien könnte sich mit einer (bereits zu diesem Zeitpunkt in den Raum gestellten) Bodenoffensive ökonomisch und militärisch übernehmen.

Ich bin allerdings nicht davon überzeugt, dass sich der Konflikt im Jemen tatsächlich zu einem Flächenbrand in der Region ausweitet, vor dem Expertinnen und Experten warnen – es sei denn, Saudi-Arabien greift mit Bodentruppen ein und scheitert im Endeffekt an dieser Aufgabe. Ökonomische Instabilität und wahrscheinlich große Unzufriedenheit unter der saudischen Bevölkerung wären die Folge, dies hätte tatsächlich für den gesamten arabischen Raum Folgen. Allerdings wissen dies auch die Vereinigten Staaten, die auf gar keinen Fall auf Saudi-Arabien als Partner verzichten können oder wollen. Ich halte es daher für wahrscheinlich, dass Washington eine Bodenoffensive verhindert. Stattdessen sollte man im Jemen versuchen, eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden. Wie die Huthis darauf reagieren, ist allerdings eine völlig andere Frage.

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